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Innere Medizin 7. Juli 2005

6.000 HIV-Infizierte leben in Österreich

Sowohl Ärzte als auch Patienten denken oft nicht an die Möglichkeit einer HIV-Infektion. Es besteht dringender Bedarf nach neuerlichen Kampagnen.

470 Neuinfektionen mit HIV (Human Immunodeficiency Virus) wurden 2004 in Österreich regis­triert (Tab. 1). Damit steigt die Zahl der Neuinfektionen in den letzten Jahren stetig. „Diese jährlichen Anstiege sind zwar nicht dramatisch, beruhen aber wahrscheinlich doch auf einer stetig zunehmenden Sorglosigkeit im Hinblick auf das Risiko einer HIV-Infektion“, stellt Prof. Dr. Elisabeth Puchhammer-Stöckl vom Klinischen Institut für Virologie der Medizinischen Universität Wien in den Virusepidemiologischen Nachrichten 04/05 fest.

Aviditätstestung

Die Arbeitsgruppe um Puchhammer-Stöckl versuchte im vergangenen Jahr herauszufinden, wie häufig in Österreich bereits frühzeitig, also innerhalb der ersten Monate nach dem Infektionszeitpunkt, HIV-Infektionen diagnostiziert werden. Dazu wurden Erstdiagnoseseren auf das Vorhandensein niedrig avider HIV-Antikörper untersucht. Diese nicht so stark an das Antigen bindenden Antikörper sind nur innerhalb der ersten sechs Monate nach einer erfolgten Virusinfektion nachweisbar. Mit dieser so genannten Aviditätstestung kann man also mit hoher Wahrscheinlichkeit frische Infektionen innerhalb der letzten sechs Monate von länger zurückliegenden Virusinfektionen unterscheiden, so Puchhammer-Stöckl. Die Ergebnisse dieser Untersuchung waren bedrückend (Puchhammer-Stöckl et al., JCM 43,2005). Nur 27 Prozent aller HIV-Infektionen wurden innerhalb der ersten sechs Monate nach Infektion diagnostiziert. Deutliche Unterschiede sah man dabei aber zwischen den jeweiligen Risikogruppen. Während immerhin 40 Prozent der auf homosexuellem Weg infizierten Männer frühzeitig als HIV-positiv identifiziert wurden, war das bei nur rund 17 Prozent der heterosexuell infizierten Personen der Fall. Puchhammer-Stöckl: „Das bedeutet, dass bei der heterosexuellen Bevölkerung das Bewusstsein des HIV-Infektionsrisikos immer noch extrem niedrig ist und hier dringender Bedarf nach weiterer Information der Bevölkerung besteht.“ Aber nicht nur die Patienten selbst, auch Ärzte scheinen das Risiko einer HIV-Infektion oft nicht zu bedenken. Internationale Berichte zeigen, dass viele Patienten mit den oft unklaren Symptomen einer primären HIV-Infektion sehr wohl ihren Arzt aufsuchen, diese Symptome jedoch nicht weiter auf HIV abgeklärt werden. HIV-Infektionen werden dann oft erst im Spätstadium diagnostiziert, wenn erstmals AIDS Indikatorerkrankungen auftreten. Die meist späte Diagnostik einer HIV-Infektion in der heterosexuellen Population begünstigt sicher die weitere Verbreitung des Virus in dieser Bevölkerungsgruppe, meint Puchhammer-Stöckl. Auch Ärzte sind in punkto HIV-Diagnostik ihrer Patienten voreingenommen. Eine rezente Studie in den USA zeigt auf, dass bei schwarzen Patienten eine HIV-Infektion wesentlich häufiger frühzeitig diagnostiziert wird als bei der weißen Bevölkerung. Amerikanische Ärzte assoziieren ­offenbar sch­warze Personen, die mit den Symptomen einer Primärinfektion zu ihnen kommen, viel häufiger mit dem Risiko einer HIV-Infektion.

Situation in Österreich

Nach einer gemeinsamen Schätzung der Hauptbehandlungszen­tren für HIV-Infektionen in Österreich, dem Otto Wagner Spital in Wien, den Universitätskliniken in Wien, Innsbruck und in Graz und dem AKH in Linz, leben derzeit maximal 6.000 HIV-infizierte Personen in Österreich (Tab. 2).

Quelle: www.univie.ac.at/virologie

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