zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 4. Juli 2005

Im Urlaub "abtauchen"

Ein Unfall beim Tauchen kann durch eine Vielzahl von Erscheinungen verursacht werden, die einzeln oder in Kombination auftreten können. Dr. Clemens Mader, Allgemeinmediziner in Wien, gibt Auskunft, worauf zu achten ist.

Worauf ist bei der Tauchurlaubsplanung besonders zu achten?

Mader: Im Vorfeld des Tauchens ist wichtig, dass der untersuchende Arzt eine "wasserdichte" Tauglichkeitsuntersuchung durchgeführt hat. Dazu gehört auch eine sachgemäße Aufklärung über potentielle Gefahren des Tauchens in einem ausführlichen ärztlichen Gespräch. Die Feststellung der Tauchtauglichkeit ist eine Untersuchung mit präventivem Charakter. Das resultierende Ärztliche Zeugnis beinhaltet auch eine zivilrechtliche Haftung nach § 1299 ABGB.

Unter welchen Umständen ist von einem Tauchurlaub abzuraten?

Mader: Sollte vom dazu befähigten Arzt der Untersuchte als für nicht tauchtauglich befunden werden, so ist diese Feststellung ernst zu nehmen und Urlaubsalternativen müssen dann gesucht werden.

Was versteht man überhaupt unter DCS/DCI und wie erkenne und vermeide ich es?

Die Abkürzung DCS steht für Decompression Sickness, die mildeste Form der Dekompressionserkrankung. Die Symptome sind vor allem Gelenksschmerzen und Hauterscheinungen wie die ,cutis marmorata´. Komplexere Symptomatik zeigt die DCS II, hier kommt es zu neurologischen oder cardiopulmonalen Beschwerden.
Besteht neben den angeführten Symptomen noch eine arterielle Gasembolie, so spricht man von der Decompressions Illness. Die Symptomatik richtet sich nach der Tauchtiefe, nach der Grundzeit, nach dem Inertgas, der abgelaufenen Dekompression und wann der Patient zur Therapie kommt.
Nur wer nicht taucht und nicht fliegt, ist sicher vor Dekompressionserkrankungen!

Wie lange muss ich nach einem Tauchgang warten, bis ich wieder fliegen kann?

Mader: Hier gibt es klare Richtlinien, die es sich empfiehlt auch einzuhalten: 12 Stunden sollten eingehalten werden bei einer Gesamttauchzeit unter 12 Stunden in den letzten 48 Stunden und ohne dekompressionspflichtige Tauchgänge.

24 Stunden gelten für nicht-dekompressionspflichtige Mehrfachtauchgänge über mehrere Tage und 24, aber besser 48 Stunden nach dekompressionspflichtigen Tauchgängen. @FRAG = Ist Presslufttauchen in der Schwangerschaft ein Risiko?

Mader: Der Aufenthalt unter Druck verursacht vielfältige Veränderungen des physiologischen Zustandes, welche hauptsächlich durch den erhöhten Umgebungsdruck, die erhöhten Teildrucke und die Zusammensetzung der Atemgase sowie die erhöhten Atemwiderstände der Tauchgeräte verursacht werden.

Wodurch kann der Fötus so leicht geschädigt werden?

Mader: Alles ungeborene Leben wird relativ knapp bemessen über den Austauschmechanismus der Plazenta mit Sauerstoff versorgt. Deshalb wirkt jede Unterbrechung der Sauerstoffversorgung auch durch kleinste Bläschen schädigend auf das betreffende Gewebe.
Besonders empfindlich reagiert das System während der frühen Schwangerschaftsphasen, da ja in diesem Zeitraum alle lebenswichtigen Organe angelegt werden. Gerade das erste Trimenon ist sehr entwicklungsstöranfällig und eine wissentliche Risikoerhöhung sehr fragwürdig bis fahrlässig.

Und in fortgeschrittener Schwangerschaft?

Mader: Da kommt es zu anderen Gefahrenquellen. Das offene Foramen ovale ermöglicht jeder sich im Blutkreislaufsystem befindlichen Gasblase direkt in den arteriellen Kreislauf zu gelangen: Es kann zu einem Schlaganfall oder auch zu einem Herzinfarkt im Ungeborenen kommen.

Schützt eine geringe Tauchtiefe das Ungeborene?

Mader: Nahe der Oberfläche zu tauchen funktioniert nicht! Die Durchschnittstiefe beträgt etwa 13 Meter, weit weniger als manche Ärzte empfehlen.
Das Risiko für eine Dekompressionserkrankung beginnt bereits bei einem Meter !!! So etwas wie eine "sichere Tiefe" gibt es nicht!

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben