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Innere Medizin 4. Juli 2005

Besondere Reisevoraussetzung: Immunsuppression

Immer mehr immunsupprimierte Menschen reisen in Länder mit erhöhtem Infektionsrisiko. Die ärztlich betreute Reisevorbereitung ist dabei unerlässlich.

"Menschen mit Immunsuppression sollten ihre Reise unbedingt langfristig planen", betont Prof. Dr. Heinz Burgmann, Klinische Abteilung für Infektion und Chemotherapie am AKH Wien, "Last-minute Angebote sind meist keine gute Option." Die Reisevorbereitung besteht immer in einer Überprüfung und bei Bedarf Komplettierung des Impfschutzes - also ist der Zeitfaktor ein wichtiger Teil, der keinesfalls außer Acht gelassen werden darf. "Des weiteren ist das Einholen aktueller Informationen, zum Beispiel über Resistenzen, eine mitunter zeitaufwendige, aber notwendige Voraussetzung, um bereits im Vorfeld das Infektionsrisiko zu minimieren", so der Immunologe

Für jeden Patienten muss nach vorhergehender Risikoabschätzung eine individuelle Beratung erfolgen. Die Einschätzung des Risikos beinhaltet die aktuelle und absehbare Entwicklung der gesundheitlichen Situation des Reisenden, ebenso die Reiseart, das Ziel, die Jahreszeit und nicht zuletzt die Aufenthaltsdauer.

Der Reisende sollte auf jeden Fall ein Attest über die Diagnosen und die Medikamente, am besten in der Landessprache, zumindest aber auf Englisch, Französisch oder Spanisch mit sich führen. Ein internationaler Impfpass versteht sich von selbst. Verlangen die Einreisebestimmungen zum Beispiel eine Gelbfieberimpfung sein und diese aber aufgrund der schweren Immunsuppression nicht vertretbar sein, so muss der Reisende ein entsprechendes Attest vorweisen können, um bei der Einreise keine unliebsamen Überraschungen zu erleben.

"Außerdem ist es unbedingt notwendig, ausführliche Informationen über die infrastrukturellen Voraussetzungen im Zielland einzuholen, unter besonderer Berücksichtigung der jeweiligen Grunderkrankung und den damit eventuell erforderlichen Einrichtungen", erklärt Burgmann. Wichtige Fragen können sein: Ist in dem betreffenden Land die Möglichkeit gegeben, den Cyclosporinspiegel zu bestimmen, was bei Transplantierten besonders wichtig ist? Gibt es Dialyseeinrichtungen? Wie sind die Rückholmöglichkeiten, sollte eine vorzeitige Rückkehr erforderlich sein?

Benötigt ein Transplantierter etwa eine Malariaprophylaxe, so sollte damit zeitgerecht vor Reiseantritt begonnen werden, um eventuelle Auswirkungen auf die Immunsuppression beziehungsweise medikamentöse Interaktionen evaluieren zu können. Im Falle des Auftretens von Unverträglichkeitsreaktionen ist es sinnvoll, nach ebenso sicheren Alternativen zu suchen.

Grundsätzlich spielt für den immunsupprimierten Reisenden die Expositionsprophylaxe bei der Malaria eine wesentlich größere Rolle als beim "Immunkompetenten", worauf der Betreffende auch entsprechend hingewiesen werden sollte.

Malariaprophylaxe mit imprägnierten Moskitonetzen (Permethrin), das Tragen langer Kleidung besonders in der Dämmerung und die ausreichende Verwendung von Repellentien

sind wichtige protektive Verhaltensmaßnahmen, die Wahrscheinlichkeit eines Mückenstichs kann damit drastisch gesenkt werden.

Ein weiterer, ausführlich zu besprechender Punkt ist die extreme Sorgfalt bei der Nahrung.

Am besten lassen sich gastrointestinale Infektionen vermeiden, in dem man besonderes Augenmerk auf genügend heiß und lang gekochtes Essen legt, rohes Fleisch und Fisch unbedingt vermeidet, nur geschältes Obst zu sich nimmt und hygienisch abgefülltes Wasser trinkt. Eine heimtückische Falle können Eiswürfel darstellen, diese werden oft aus Leitungswasser hergestellt und sind damit potentiell infektiös.

Auch wenn in Einzelfällen sicherlich von speziellen Reisezielen abgeraten werden muss, sollte bei Umsetzung entsprechender Maßnahmen im Regelfall die Reise möglich sein.

Quelle: 6. Linzer Reisemedizinische Tagung, März 2001

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