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Innere Medizin 4. Juli 2005

"Unvorbereitetes Weg-Eilen bringt unglückliche Wiederkehr"

Die Rolle des Hausarztes als Drehscheibe in der Reisemedizin wird immer wichtiger: Einerseits ist er erste Anlaufstelle, wenn es um Reiseimpfungen und andere prophylaktische Maßnahmen geht, aber auch hinsichtlich Diagnose und Therapie von reiseassoziierten Erkrankungen.

Über sexuell übertragbare Krankheiten aufklären!

Bei aller Aufklärung über mögliche Gefahren beim Reisen sollte eines nicht vergessen werden: die meisten Todesfälle bei Reisenden sind nicht auf Tropenkrankheiten zurückzuführen, sondern auf Verkehrsunfälle. Schlechte Straßenverhältnisse und (scheinbar) chaotische Verkehrsbedingungen, ungewohnte Mietfahrzeuge, nicht vorhandene Sicherheitsgurte und Kindersitze, Mopedausflüge in der Badehose und ohne Sturzhelm tragen zum erhöhten Unfallrisiko bei.

Man sollte sich auch nicht scheuen, das Thema "sexuell übertragbare Krankheiten" anzuschneiden, vor allem bei Personen, die einen Langzeitaufenthalt ohne ihre PartnerInnen planen. Kulturschock und Einsamkeit können unvorsichtig machen, und in den Ländern südlich der Sahara, in Thailand und Indien ist die Prävalenz an HIV bekanntlich sehr hoch. Die Infektion erfolgt über ungeschützten hetero- oder homosexuellen Geschlechtsverkehr. Auch an Gonorrhoe oder Hepatitis B sollte gedacht werden. Hepatitis-B-Infektionen sind bei sexuell aktiven Reisenden relativ häufig, ebenso Scabies.
Auf welche Symptome beziehungsweise Erkrankungen bei Reiserückkehrern sollte nun geachtet werden?
Was zum Beispiel tun, wenn ein Patient von einer Reise mit Fieber heimkehrt?

Vorgehensweise bei Fieber Patienten, die verwirrt sind oder den Eindruck einer beginnenden Sepsis (Tachykardie, Hypotonie) vermitteln, sollten auf jeden Fall ins Krankenhaus überwiesen werden. Bei jedem Rückkehrer aus einem Malariagebiet muss Malaria selbstverständlich ausgeschlossen werden. Die Malaria wird ganz selten später als 18 Monate nach der Reise manifest, wobei speziell der gefährlichste Erreger, Plasmodium falciparum, stets innerhalb von drei Monaten nach der Rückkehr des Reisenden die ersten Symptome macht. Die häufigsten Anzeichen sind Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen - kaum differenzierbar von einer Grippe. Die jeweils empfohlene Malariaprophylaxe ist in etwa 70 bis 90 Prozent effektiv und führt zumindest zu einem mitigierten Verlauf der Erkrankung. Prophylaxe schließt eine Infektion nicht aus!

Unabkömmlich: Eine genaue Anamnese

Unklare neuropsychiatrische Symptome können auf eine Mefloquineinnahme zurückgeführt werden - eine genaue Reise- anamnese hat sich schon oft bewährt!

Häufiger als Malaria sind Diarrhoen: am wichtigsten ist hier die Flüssigkeitszufuhr. Wenn der Patient stark fiebert, sehr dehydriert scheint oder einen blutigen Stuhl hat, sollte die Einweisung in ein Spital erfolgen, vor allem Kinder und ältere Menschen sind bekanntermaßen mehr gefährdet. Der häufigste Erreger der Reisediarrhoe ist Escherichia coli, der wässrige Durchfälle erzeugt. Die Symptomatik beruhigt sich meist innerhalb von ein paar Tage, der Prozess kann aber durch etwa durch 50 mg Ciprofloxacin beschleunigt werden. Auch Salmonellen, Shigellen, Campylobacter oder Amöben kommen als Erreger in Frage. Letztere verursachen blutige Durchfälle, aber auch Amöbenleberabszesse kommen immer wieder vor: Bei Fieber, für das sonst keine Ursache gefunden werden kann, und Druckdolenz unter dem rechten Rippenbogen sollte eine Sonografie veranlasst werden.

Sollten die wässrigen Durchfälle länger als eine Woche andauern, muss an eine Lambliasis gedacht werden. Stuhluntersuchungen sind dann nötig, ebenso bei Auftreten unklarer Bauchschmerzen und Verdauungsbeschwerden: dahinter können sich Wurmerkrankungen verbergen.

Weitere nicht so seltene Wurmerkrankungen, die sich in der Haut manifestieren, sind der Hakenwurm (Ankylostoma braziliense) und der Zwergfadenwurm (Strongyloides stercoralis). Ersterer verursacht stark juckende, wandernde serpinginöse Erytheme (creeping eruption), Letzterer gangartige Effloreszenzen, aber auch Bauchschmerzen und Diarrhoen. Einer Infektion kann durch Vermeiden von Barfußgehen vorgebeugt werden.

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