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Innere Medizin 14. Juli 2005

Gifttiere eine seltene Gefahr für Reisende

"Gifttiere kommen weltweit vor. Die Chance jedoch, aufgrund direkten Kontakts mit einem solchen zu versterben, ist äußerst gering," weiß Prof. Dr. Dietrich Mebs vom Zentrum der Rechtsmedizin am Klinikum der Universität Frankfurt.

"Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Verkehrsunfall getötet oder auch von einem wütenden Nashorn erlegt zu werden, ist schon wesentlich größer.

Den größten Artenreichtum, sowohl im Meer (Quallen, Fische) wie auf dem Land (Spinnen, Skorpione, Schlangen) findet man in den Tropen - hier stellen sie ein nicht zu unterschätzendes Gesundheitsrisiko dar, "wobei der Reisende nur selten betroffen ist", berichtet Mebs.

"Häufiger als um einen Überraschungsangriff handelt es sich bei Schlangenbissen zum Beispiel um ‚Geschicklichkeitsbeweise‘ oder Mutproben, eine Giftschlange mit bloßer Hand zu fangen, wobei die Schlangen nicht selten schneller sind", erzählt der Rechtsmediziner.

"Unabhängig vom Zustandekommen eines Bisses oder Stiches eines Gifttieres verlaufen die Vergiftungen immer akut, niemals chronisch," betont Mebs. Deshalb sei es auch wichtig, keine Zeit zu verlieren, also das nächste Spital oder einen Arzt aufzusuchen. Die meisten Vergiftungen durch Tiere sind jedoch keineswegs und vor allem nicht sofort tödlich. Mebs: "So liegt die Mortalitätsrate auch eines unbehandelten Schlangenbisses selten über 20 Prozent, wobei Kinder naturgemäß mehr gefährdet sind als Erwachsene, da sie ja dieselbe Giftdosis erhalten."

In den meisten Fällen ist symptomatische Therapie angezeigt, vor allem wenn Antidote oder Antiseren nicht verfügbar sind. Das Mitführen von Antiseren ist wenig bis nicht sinnvoll, da die Aufrechterhaltung der Kühlkette in den meisten Fällen nicht möglich ist, außerdem die entsprechenden Antiseren in Europa teilweise gar nicht erhältlich und zudem auch sehr teuer sind. "Eine konsequent durchgeführte, sich an den Symptomen orientierende Behandlung ist in vielen Fällen lebensrettend, vor allem wenn sie rechtzeitig einsetzt", so Mebs.

Die Gabe von Antiseren zur Behandlung von Schlangen- und Spinnenbissen beziehungsweise bei Skorpionstichen ist natürlich sinnvoll- Verfügbarkeit und entsprechende Lagerung oft problematisch. Sollte das entsprechende Antidot jedoch vorhanden sein, so muss die Anwendung, wenn irgend möglich, dem Arzt vorbehalten sein. Dieser muss auf Komplikationen - wie etwa einen anaphylaktischen Schock vorbereitet und entsprechend ausgerüstet sein. Antiseren sind stets intravenös zu verabreichen, in Form einer schnell tropfenden Infusion, die bei Auftreten von Komplikationen jederzeit abgebrochen werden kann.

Vortrag im Rahmen der "Linzer Reisemedizinischen Tage", März 2001

Dr. Maria Radlspöck, Ärzte Woche 16/2001

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