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Innere Medizin 14. Juli 2005

Professionelle Hilfe gegen Flugangst

Jeder zweite Reisende fühlt sich im Flugzeug unwohl, jeder dritte steht Ängste aus. Auf der MEDICA Ende November 2003 berichtet Dr. Marc-Roman Trautmann, Leiter des Flugangstzentrums Rhein-Main in Rüsselsheim, über Therapiemöglichkeiten bei Flugangst.

Oft bestehen heftige körperliche Symptome: Schwitzen, Herzrasen, Taubheitsgefühl, Kribbeln, Krämpfe, Hyperventilation, Übelkeit, Erbrechen. "Manche Menschen verspüren Todesangst oder erleben ein Gefühl der Unwirklichkeit, ihre Wahrnehmung schränkt sich massiv ein", berichtet Trautmann. Spätestens, wenn die Flugangst den Alltag beeinträchtigt, ist es Zeit, professionelle Hilfe zu suchen.
Ursachen für Flugangst können private oder berufliche Probleme, chronischer Stress, fehlendes technisches Verständnis oder das "Beifahrersyndrom? die Angst vor einem Kontrollverlust, sein. Doch an erster Stelle steht die Angst vor der Angst - erst nur im Flugzeug, später auch am Flughafen, dann schon am Tag zuvor. Je mehr man dann das Fliegen meidet, desto eher gerät man in einen Kreislauf der Angst.

Angstkreislauf durchbrechen

Diesen Kreislauf zu durchbrechen, ist Ziel von Flugangst-Seminaren. Es gilt dabei, die Schwelle, an der die Angst in Panik übergeht, anzuheben. Arzt und Diplom-Psychologe Trautmann zum Seminar-Ablauf: "Zunächst wird anhand eines Fragebogens ein individuelles „Flugangstprofil“ jedes Teilnehmers erstellt. Informationen werden vermittelt, vor allem technische Details. Dann wissen die Teilnehmer, warum Triebwerke heulen, wie verschiedene Fluggeräusche entstehen oder wie es klingt, wenn das Fahrwerk ausgefahren ist." Damit es nicht bei der Theorie bleibt, dürfen sie die Werft und das Cockpit eines Flugzeugs besuchen.
Bis zum begleiteten Abschlussflug werden Situationen geschaffen, von denen die Teilnehmer glauben: „Ich halte das nicht aus.“ Trautmann: „Bei uns haben sie die Möglichkeit, es durchzustehen. Eine Fahrt zum Flughafen, das Besteigen eines Turmes - die Angst besiegt nur, wer sich ihr stellt. Wir wollen ein Umdenken herbeiführen.“ Die Erfolgsraten des Trainings sind eindrucksvoll: Etwa 90 Prozent werden laut Trautmann komplett angstfrei. „Einfach nach Hause geschickt“ werden sie nicht, sondern ein halbes Jahr nachbetreut. Steht wieder ein Flug an, so gibt es ein Notfall-Coaching.

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