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Innere Medizin 4. Juli 2005

Tropensouvenirs: Dengue-Fieber...

Das Dengue-Fieber hat sich in den letzten Dekaden über die gesamten Tropen verbreitet. Der Erreger, ein Flavivirus, kann auch hämorrhagisches Fieber auslösen. Diese schwere Verlaufsform des Dengue-Fibers ist bislang bei Kurzzeit-Reisenden allerdings noch eine Rarität. Tropenmediziner rechnen aber mit einer weiteren Zunahme dieser Reisekrankheit. Das Dengue-Fieber ist eine der häufigsten durch Mücken übertragenen Virus-Infektionen in den Tropen und Subtropen. Geschätzt werden weltweit zwischen 40 und 100 Millionen Dengue-Infektionen pro Jahr. 250.000 bis 500.000 Betroffene bekommen hämorrhagisches Fieber. Südostasien, Indien, Karibik und die Küstenregionen Brasiliens sind bevorzugte Landstriche, in denen es besonders nach Regenzeiten zu Epidemien kommt, wie derzeit etwa im Großraum Rio de Janeiro.

"Die Klinik des Dengue ist vor allem gekennzeichnet durch Gelenkschmerzen", erklärt Dr. Ralf Bialek vom Institut für Tropenmedizin in Tübingen. "Zwar treten auch Myalgien auf, wie überhaupt grippeähnliche Symptome, aber die Arthralgien sind spezifisch." Wegen der extrem starken Schmerzen wird das DengueFieber auch als "break-bone-fever?bezeichnet. Der Patient hat eine sehr steife Körperhaltung und schon einfache Berührungen ängstigen ihn. Ein Exanthem im Gesicht oder Dekolleté ist oft nur diskret vorhanden und verschwindet manchmal nach ein paar Stunden wieder. "Eine absolute Rarität unter Tropenurlaubern ist bislang der hämorrhagische Verlauf", so Professor Jürgen Knobloch, Leiter des Instituts für Tropenmedizin in Tübingen. "Der einzige gemeldete Fall, den ich verfolgte, war bei näherem Hinsehen keiner." Denn auch beim einfachen Verlauf kann die Zahl der Thrombozyten bereits auf 30.000 bis 40.000 sinken, so daß Petechien zu beobachten sind.

Bialek macht deutlich, warum bei Tropenreisen hämorrhagisches Fieber unwahrscheinlich ist. "Nach einer Infektion entwickelt sich das Fieber nach einer Inkubationszeit von sieben bis zehn Tagen. Dann erst treten die spezifischen IgM-Antikörper auf, die eine Kreuzreaktion auslösen. Erst eine Zweitinfektion würde einen hämorrhagischen Verlauf verursachen." Zu diesem Zeitpunkt ist der Urlauber aber schon wieder zu Hause."

Intravasale Koagulopathie

Oft erst dort entwickelt sich Fieber bis zu 41° C, dauert fünf bis sechs Tage. Nach einer Latenz von meist ein bis zwei Tagen schließt sich oft eine zweite Fieberphase an. Beim klassischen Dengue-Fieber kann es außer zu Petechien zu gastrointestinalen und gynäkologischen Blutungen kommen. Beim hämorrhagischen Verlauf kommt es zur hämorrhagischen Diathese mit Konjuktivalblutungen oder auch ausgedehnten Hautblutungen. Es bilden sich - auch retroperitoneal - Ödeme, begleitet von Hypovolämie, Hypotonie, Entgleisung des Säure-Basen-Haushalts sowie disseminierter intravasalen Koagulopathie.

Therapiert werden können die Patienten nur symptomatisch: Beim klassischen Dengue-Fieber sind Bettruhe, Schockvermeidung und eventuell Flüssigkeitssubstitution ausreichend. Azetylsalizylate sind aufgrund der erhöhten Blutungsneigung kontraindiziert. Beim hämorrhagischen Verlauf müssen die Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

Mückenschutz auch tagsüber

Der bis jetzt einzig wirksame Schutz für Reisende ist es, Stiche zu vermeiden, und zwar Tag und Nacht. Das Moskitonetz über dem Bett reicht allein nicht aus. Denn Aedes aegypti gelüstet es auch tagsüber nach Blut. Damit unterscheidet sie sich von Malaria-übertragenden Mücken. Nach mehr als 20 Jahren Forschung gibt es erstmals Aussicht auf eine wirksame Vakzine, die gerade in Phase-I-Studien geprüft wird. 

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