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Innere Medizin 14. Juli 2005

Reisethrombose: Keine Frage der Klasse

Eine methodisch eindrucksvolle Untersuchung aus Neuseeland zeigt, dass Langstreckenflüge auch bei Personen mit niedrigem bis mäßigem Risiko mit venösen Thromboembolien assoziiert sind und dass dieses Risiko nicht nur auf Personen der Touristenklasse beschränkt ist. Der schlagzeilenträchtige Ausdruck des „Touristenklassensyndroms” sollte somit der Vergangenheit angehören.

Nach einer entsprechenden Medienkampagne rekrutierte man am Flughafen von Auckland in Neuseeland 1.000 Personen zwischen 18 und 70 Jahren, denen eine mindestens vierstündige Flugreise bevorstand. Jeweils vor und nach dem Flug bestimmte man das D-Dimer und schloss nur solche Personen in die Studie ein, die vor dem Flug D-Dimer-negativ waren. Personen, die nach dem Flug D-Dimer-positiv geworden waren oder Symptome entwickelten, die mit großer Wahrscheinlichkeit auf eine venöse Thromboembolie zurückzuführen waren, wurden im Verlauf der drei Monate nach der Flugreise mittels beidseitiger Kompressionssonographie und pulmonaler CT-Angiographie untersucht. Eventuell vorliegende thrombophile Risikofaktoren und der Gebrauch prophylaktischer Maßnahmen während des Fluges wurden dokumentiert.
Von 1.000 rekrutierten Personen konnten 878 in die Studie eingeschlossen werden. Alle Teilnehmer befanden sich mindestens zehn Stunden im Flugzeug. Nach der Rückkehr unterzogen sich 112 Patienten einer radiologischen Untersuchung. Die Häufigkeit venöser Thromboembolien im Zusammenhang mit der Flugreise betrug ein Prozent (9 von 878). Dabei traten vier Fälle von Lungenembolie und fünf Fälle von tiefer Beinvenenthrombose auf. Sechs Patienten mit venösen thromboembolischen Ereignissen hatten präexistierende klinische Risikofaktoren, zwei wiesen bekannte thrombophile Risikofaktoren auf, zwei waren ausschließlich in der Business-Class geflogen, fünf hatten Acetylsalicylsäure verwendet und vier Kompressionsstrümpfe.
Die Untersuchung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Langstreckenflügen und thromboembolischen Ereignissen auf. Eine Häufigkeit von einem Prozent muss bei der Anlage der Studie und der vor allem im Bereich des Unterschenkels bekannt schlechten Sensitivität der sonographischen Untersuchung als vorsichtige Schätzung der wahren Prävalenz thromboembolischer Ereignisse auf Langstreckenflügen betrachtet werden.
Obwohl es sich nur um wenige Personen handelte, die von diesen Ereignissen betroffen waren, so weckt die Studie doch Zweifel an der bisher üblichen Annahme, dass die meisten Personen mit Reisethrombose bereits vor Antritt der Reise präexistierende Risikofaktoren aufweisen. Auch der schlagzeilenträchtige Ausdruck des „Touristenklassensyndroms” wird durch die Studie widerlegt, da immerhin zwei der neun Personen mit Thrombose beziehungsweise Lungenembolie ausschließlich in der Business-Class unterwegs waren.

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