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Innere Medizin 12. September 2014

Luft im Bauch

Blähungen sind zwar meist harmlos, aber eine beträchtliche subjektive Belastung

Blähungen beschreiben zunächst nur das rein subjektive Empfinden eines geblähten Abdomens. Das kann, muss aber nicht, mit Flatulenzen verbunden sein. Hinter diesem auch als Meteorismus bezeichneten Erscheinungsbild steht eine häufige Symptomatik, für die sich eine effektive Hilfe dennoch nicht immer einfach erweist. Etwa 25 Prozent der Bevölkerung sind betroffen und Blähungen werden unter den Verdauungsstörungen als das am meisten störende Symptom angegeben.

Im Alltagsgebrauch sind Blähungen unscharf definiert. Patienten spüren einen gespannten Bauch mit dem Gefühl vermehrter „Luft im Bauch“, dies ist freilich auch gebräuchlich bei vermehrten Flatulenzen, verstärktem Aufstoßen und z. T. bei lauten Darmgeräuschen. Die Ursachen für Meteorismus können sich aus verschiedenen Einzelfaktoren zusammensetzen und sich auch gegenseitig beeinflussen: Eine absolute Zunahme des Darminhalts, eine abnehmende Aktivität der Bauchwandmuskulatur, eine objektive Bauchumfangszunahme oder eine Überempfindlichkeit im Bauchbereich. Gezielte Fragen zur Art und Weise der Symptome, dem Zusammenhang des Auftretens und der Intensität können helfen, den Ursachen – und damit möglichen Behandlungsmöglichkeiten auf die Spur zu kommen. Auslösende Faktoren können Infekte, bestimmte Nahrungsmittel, Zuckerersatzstoffe oder Ähnliches sein. Wesentlich ist dabei, dass die beschriebenen Symptome nicht ausreichen, um die Kriterien für ein Reizdarmsyndrom, eine funktionelle Dyspepsie oder andere funktionelle gastrointestinale Störungen zu erfüllen, wobei so Anja Buchholtz, „diese die häufigste Ursache für isoliert auftretenden Meteorismus sind.“ Hinweise darauf erkennt man häufig an der Beschreibung von Art und Dauer der Beschwerden sowie Begleitsymptomen wie Obstipation, Diarrhoe und Schmerzen. „Typisch ist, dass sich bei funktionellen Erkrankungen die Beschwerden nach Nahrungsaufnahme sowie im Tagesverlauf verschlimmern und im Laufe der Nacht verbessern“, erklärt Bucholtz

Meteorismus ist aber auch ein Symptom von Kohlenhydrat-Malabsorptionssyndromen oder bestimmten Essstörungen und kann eben auch als Begleitsymptom bei zahlreichen Erkrankungen, insbesondere bei Diarrhoe und Obstipation, in allen Ausprägungen auftreten. Seltenere Ursachen sind chronisch entzündliche Darmerkrankungen, schwere Malabsorptionssyndrome und schwere Motilitätsstörungen.

Neuere Untersuchungen zeigen außerdem, dass eine Balancestörung der Darmflora ebenso wie eine vermehrte Retention von Darmgas mitursächlich für die Symptomatik sein können. So konnte nachgewiesen werden, dass beispielsweise bei Patienten mit Reizdarmsyndrom die intestinale Flora deutlich von der gesunder Menschen abweichen kann. Der Anteil an fakultativen Anaerobiern ist zuungunsten der Bifidobakterien und der Lactobazillen erhöht. Auch kann es bei einigen Patienten zur bakteriellen Überwucherung des Dünndarms kommen, was die frühe Fermentation des Speisebreis fördert. Die Reaktion auf mikroinflammatorische Prozesse ist bei gestörter Darmflora vermindert. Der sogenannte postinfektiöse Reizdarm nach Infekt oder nach Antibiotikatherapie tritt bei bis zu 30 Prozent der Patienten auf und ist das Korrelat einer gestörten Balance. Bakterielle Dysbalancen verursachen bei einem Teil der Patienten sogar geringfügige Entzündungen der Darmwand. Die Förderung einer gesunden Darmflora sollte daher in naher Zukunft eine verbesserte Interventionsmöglichkeit bieten.

Der Leidensdruck ist groß

Besonders bei funktionellen gastrointestinalen Störungen sind Blähungen nicht nur eine klinische, sondern auch eine soziale Belastung und können die Lebensqualität stark beeinträchtigen. Aufgrund unzureichender Symptomlinderung scheuen die Betroffenen häufig Sozialkontakte und den Aufenthalt an öffentlichen Orten. Die Berücksichtigung von Begleiterscheinungen wie häufiges Aufstoßen, Flatulenz, Obstipation oder Bauchschmerzen, die bereits auf Ursachen für Blähungen hinweisen, ist für zielgerichtete Gegenmaßnahmen wichtig.

Primär sollte der Patient auf die Beachtung einfacher, nicht medikamentöser Maßnahmen hingewiesen werden: Körperliche Bewegung beschleunigt den intraluminalen Gastransit und kann die Gasretention verhindern. Langsames Essen unter stressfreien Bedingungen und gutes Kauen können die Menge der bei der Nahrungsaufnahme geschluckten Luft reduzieren. Unregelmäßige und übermäßige Mahlzeiten, v. a. zur Nacht sollten ebenso vermieden werden wie stark kohlensäurehaltige Getränke, künstliche Süßstoffe und Kaugummikauen. Teezubereitungen aus Kümmel, Fenchel oder Anis unterstützen die entblähende Wirkung und haben sich aufgrund ihrer verdauungsfördernden und krampflösenden Effekte bewährt.

Medikamentöse Optionen sind prokinetisch wirksame Substanzen sowie Spasmolytika und sog. entschäumende Medikamente, die durch die Oberflächeneigenschaft der Silikon-Dioxid-Mixturen die Ansammlung größerer lokaler Gasmengen im Darm verhindern. Weiter wurde gezeigt, dass zu den Mahlzeiten eingenommene Pankreasenzyme Meteorismusbeschwerden nach fett- und kalorienreichem Essen lindern können.

 

Quelle: Anja Buchholtz: „Ich habe immer schreckliche Blähungen“, MMW - Fortschritte der Medizin 2014/11

Springermedizin.de, Apotheker Plus 7/2014

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