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Innere Medizin 4. April 2006

Update: Lungenfunktionsdiagnostik

Die Messung der Lungenfunktion ist ein wesentlicher Bestandteil in der Abklärung verschiedener Symptome, welche auf eine mögliche Lungenerkrankung hinweisen oder wenn, wie zum Beispiel bei Rauchern, ein entsprechendes Risiko einer meist obstruktiven Lungenerkrankung vorliegt. Die Lungenfunktion zeigt selbst in Reihenuntersuchungen häufiger klinisch relevante pathologische Befunde als zum Beispiel ein EKG oder viele andere Untersuchungen.

Symptome des Atmungstraktes sind vielfältig und Befunde der physikalischen Krankenuntersuchung häufig unzuverlässig. Häufige Symptome, die eine pulmologische, zuminderst spirometrische Untersuchung notwendig erscheinen lassen, sind Husten, Atemnot in Ruhe oder bei Belastung, Atemwegsgeräusche (Pfeifen, Brummen, Giemen u.a.), aber auch Atembeschwerden anderer, manchmal vom Patienten schlecht beschreiblicher Art oder unklare andere Symptome, die auf eine Atemwegs- oder Lungenerkrankung hinweisen.
Zur physikalischen Krankenuntersuchung sei nur gesagt, dass deren Befunde selbst bei einer Pneumonie nur in zirka 2/3 der Fälle typisch sind und auch bei bronchialer Obstruktion oft bis zu Funktionseinschränkungen um 50 Prozent keine Auffälligkeit zeigen müssen.
Andererseits kann etwas Schleim in den Bronchien deutliches Giemen erzeugen, funktionell und therapeutisch hat das aber oft weniger Bedeutung als eine manifeste Obstruktion. Ein Beispiel für die besondere Bedeutung der Lungenfunktion in der Risikogruppe der Raucher ist in Abbildung 1 selbstsprechend wiedergegeben.

Lungenfunktionstests

Spirometrie
Die bedeutendste Untersuchungsmethode ist die Spirometrie, mit ihr werden die wichtigsten Parameter, Vitalkapazität (VC), forcierte Exspirationsparameter (FVC, FEV1, FEV1/VC, MEF50%, bzw FEF50%) und Peak Flow (PEF) gemessen.
Die Untersuchung ist zwar mitarbeitsabhängig, zeigt aber sehr gut reproduzierbare und verlässliche Befunde innerhalb kurzer Untersuchungszeit und mit nur geringem apparativen und damit finanziellen Aufwand.

Bronchspasmolysetest
Im Falle einer bronchialen Obstruktion kann durch Verabreichung eines inhalativen Betamimetikums innerhalb von zirka 15 Minuten das Ansprechen, d.h. die Reversibilität der Obstruktion durch die Therapie gemessen werden. Neben der Basisspirometrie dient dieser Test im hohen Maß für die Beurteilung der weiteren therapeutischen Optionen.

Bronchoprovokationstest
Die Testung der bronchialen Hyperreagibilität ist eine Standarduntersuchung in der Abklärung eines möglichen Asthma bronchiale bei normaler Lungenfunktion. Die Untersuchung ermöglicht den Nachweis einer Reaktionsfähigkeit der Bronchien wie sie bei einem Asthmaanfall auftritt. In den Händen von Erfahrenen ist sie eine sichere und verlässliche Untersuchung, zumal auch der Grad der bronchialen Hyperreagibilität einen Aufschluss auf die bronchiale Inflammation gibt. Die Untersuchung wird spirometrisch, gegebenenfalls mit zusätzlichen Atemwegswiderständen in aufsteigender Dosierung von Histamin oder meist Methacholin, durchgeführt. Wenn der Patient einen FEV1-Abfall von 20% zeigt, wird sie beendet. Damit ist die Hyperreagibilität definiert und für den Patienten nicht belastend. Indikationen für die Hyperreagibilitätstestung sind sämtliche Symptome eines fraglichen Asthma bronchiale bei normaler Lungenfunktion.

Bodyplethysmographie
Die Untersuchung ist zwar apparativ deutlich aufwändiger, ermöglicht aber die Bestimmung vieler wichtiger Parameter. So werden die Atemflussbehinderungen und Atemwegswiderstände (Raw, Rspec, etc.) weitgehend mitarbeitsunabhängig bestimmt.
Darüber hinaus kann über Lokalisation einer Obstruktion und Stenose Auskunft gegeben werden. Typische Kurvenformen der Resistance sind unter anderem in der Diagnose von Überblähung und Emphysem hilfreich.

Wesentliche Parameter sind die Lungenvolumina und Lungenkapazitäten. So werden die Total Lung Capacity (TLC), das Residualvolumen (RV) und andere statische Parameter einfach und zuverlässig erhoben (siehe Abb.2). Die Diagnose einer Überblähung, eines Emphysems oder einer Restriktion wird so möglich (siehe Abb.3). Auch hier kann der Bronchospasmolysetest eingesetzt werden und zeigt oft als einzige Wirkung eine Besserung der Atemwegswiderstände oder einen Rückgang der Überblähung. Wichtig erscheint darauf hinzuweisen, dass die funktionelle Überblähung oft deutlicher mit der Dyspnoe in Korrelation steht als die spirometrischen Werte.

Diffusionstests
Die Bestimmung der so genannten Diffusionskapazität (DLCO) ist eine selbst im angloamerikanischen Raum hochgeschätzte, klinisch hochrelevante Untersuchung. Im europäischen Raum wird auch oft der Begriff des Transferfaktors für die CO-Aufnahme verwendet.
Die Untersuchung benötigt zwar eine gewisse apparative Ausstattung, ist für den Patienten jedoch oft einfacher durchzuführen als die Spirometrie, da der Patient nur einen tiefen Atemzug mit 0,3 % CO und Helium-Gemisch durchführt und keine Kontraindikationen für die Untersuchung bestehen.
Die Untersuchung wird vor allem bei Frage nach Gasaustauschstörungen durchgeführt. Eine niedrige DLCO ist ein ausgezeichneter Marker für das reduzierte Lungengewebe bei Emphysem. Daneben werden auch vaskuläre pulmonale Erkrankungen wie Lungenembolie, pulmonale Hypertonie und interstitielle Lungenerkrankungen abgeklärt und in der Verlaufskontrolle dieser Erkrankungen eingesetzt.
Mit besonderen Techniken lassen sich beim Diffusionstest auch zusätzliche Parameter, wie zum Beispiel der Cardiac Output und Cardiac Index, einfach und nichtinvasiv bestimmen.

Indikationen für die DLCO-Untersuchung:

  • Gasaustauschstörungen bei obstruktiven Lungenerkrankungen (insbesondere Asthma, COPD, Emphysem)

  • Interstitielle und restriktive Lungenerkrankungen (zum Beispiel Sarkoidose, exogen allergische Alveolitis, Rheumalunge, bei Chemotherapien etc.)

  • Pulmonale vaskuläre Erkrankungen (insbesondere Lungenembolie, pulmonale Hypertension, vaskuläre Mitbeteiligung bei Systemerkrankungen)

Blutgasanalyse
Die Blutgasanalyse ist eine indirekte Bestimmung unter anderem des pulmonalen Gasaustausches, soll zwar in ihrer Bedeutung für die Erkennung einer respiratorischen Partialinsuffizienz, Globalinsuffizienz, einer Störung des Säure-Basenhaushaltes, einer möglichen ventilatorischen Verteilungsstörung, Diffusionsstörung, eines Shuntes oder einer Indikation für eine Langzeitsauerstofftherapie erwähnt werden, im Detail wird aber hier darauf nicht eingegangen.

Ergospirometrie
Die Ergospirometrie gehört zu den diffizilsten Untersuchungsmethoden in der Abklärung unklarer kardiopulmonaler Symptome und Krankheitsbilder.
Durch Bestimmung der respiratorischen Parameter, Sauerstoffaufnahme, Kohlendioxidabgabe, anaeroben Schwelle und anderer Parameter bei Belastung lassen sich körperliche Dekonditionierung ebenso aufdecken, wie einzelne kardiopulmonale und vaskuläre Krankheitsbilder.

Wegen der Komplexität der Untersuchung, die auch nur in spezialisierten Ambulatorien und Kliniken durchgeführt wird, wird auf sie hier nicht näher eingegangen. Wichtig für den Niedergelassenen bleibt nur, an die Möglichkeit dieser Untersuchung zu denken und sie so auch zu nutzen.

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Prim. Univ.Prof. Dr. Wolfgang Popp, Ärzte Woche 36/2001

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