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Innere Medizin 30. Juni 2005

Wenn die Luft zum Atmen tötet

Luftschadstoffe insgesamt, besonders aber die Autoabgase, "killen". Hier gibt es laut zahlreichen wissenschaftlichen Studien einen Zusammenhang, erklärte beim Europäischen Lungenkongress in Wien der niederländische Experte Dr. Bert Brunekreef von der Universität Utrecht.

"Erstens gibt es keinen Schwell-Wert für die Luftschadstoffe und die Schädigung. Auch eine Studie aus dem Jahr 2000 aus den USA hat jüngst gezeigt, dass es bereits ab einer sehr geringen Exposition gegenüber Luftschadstoffen mit zunehmender Konzentration zu einer entsprechenden Erhöhung der negativen Effekte kommt", erklärte Brunekreef.
Das zeige sich bei der Lungenkrebs-Mortalität genauso wie bei den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der Sterblichkeit aus allen Ursachen.
Akute starke Luftschadstoff-Belastungen erhöhen weiters die Sterblichkeit insgesamt, sie "killen" nicht "nur" bereits Schwerkranke, die eventuell in den darauf folgenden Tagen gestorben wären. Brunekreef: "Es gibt in ganz Europa keinen Hinweis auf einen solchen ’Ernte-Effekt’."
Das klassische Beispiel war schon die Smog-Katastrophe in London im November des Jahres 1952.
Damals schnellte dort durch die extreme Schadstoffbelastung die Zahl der wöchentlich in der britischen Hauptstadt auftretenden Todesfälle von 1.600 auf rund 5.000 in die Höhe.
Der niederländische Experte: "Wären ’nur’ Menschen gestorben, die an sich schon todkrank waren, hätte man danach weniger Todesfälle registrieren müssen als im normalen Durchschnitt. Doch dem war nicht so. Die Sterberaten fielen zwar, blieben aber über lange Zeit höher." Messungen der Luftschadstoffe im Freien geben - so der Fachmann - auch sehr gut die Belastung des Individuums wieder. Entlang von Hauptverkehrsrouten und in der Nachbarschaft korrelieren die Ergebnisse auch mit der Belastung der Menschen, die sich in geschlossenen Räumen aufhalten.
Brunekreef: "Am stärksten ist der Zusammenhang zwischen Mortalität und Partikelbelastung sowie Stickoxiden aus dem Straßenverkehr." Dazu gibt es relativ harte Daten aus den Niederlanden: Die Häufigkeit von kardiovaskulären Todesfällen war unter Menschen, die höheren Schadstoffbelastungen durch den Straßenverkehr ausgesetzt waren, um das 2,67-fache im Vergleich zu Personen aus Reinluftgebieten erhöht. Brunekreef: "Den Zusammenhang zwischen akut erhöhten Luftschadstoff-Belastungen kennen wir schon sehr gut. Was wir benötigen, sind Studien über die Langzeit-Effekte."

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