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Innere Medizin 30. Juni 2005

Arbeiten unter Überdruck

Arbeiten unter Überdruckbedingungen sowie Taucherarbeiten stellen besondere Belastungen dar. Neben meist schwerer körperlicher Arbeit gesellen sich weitere Belastungsfaktoren durch die hyperbaren Bedingungen hinzu. Während Taucharbeiten und Arbeiten in Caissons per se unter hyperbaren Verhältnissen stattfinden, wird im Tunnelbau nur fallweise unter Überdruckbedingungen gearbeitet.

Als Arbeiten in Druckluft werden Tätigkeiten bezeichnet, in denen der Überdruck mindestens 0,1 kp/cm2 beträgt. Alle Arbeitnehmer, welche Druckluft oder Taucharbeiten verrichten, müssen durch einen ermächtigten Arzt betreut sein. Auch die gesetzlich beauftragten Vorsorgeuntersuchungen dürfen nur durch solche ermächtigteb Ärzte durchgeführt werden. Die zuständige Behörde kann bei Arbeit unter einem Überdruck von mehr als 2 kp/cm2 die ständige Anwesenheit von ermächtigten Ärzten an der Arbeitsstelle vorschreiben. Zu Arbeiten in Druckluft dürfen nur männliche Arbeitnehmer herangezogen werden, die das 21. Lebensjahr vollendet haben und für diese Arbeiten in gesundheitlicher Hinsicht geeignet sind. Arbeitnehmer, die das 40. Lebensjahr vollendet und Arbeiten in Druckluft noch nicht ausgeführt haben, dürfen bei solchen Arbeiten nicht verwendet werden. Bei Arbeiten in Druckluft dürfen Arbeitnehmer, die das 45. Lebensjahr vollendet haben, nur beschäftigt werden, wenn sie nach Erreichung des 40. Lebensjahr wiederholt bei solchen Arbeiten tätig waren und der ermächtigte Arzt zustimmt. Nach Vollendung des 50. Lebensjahres dürfen Arbeitnehmer bei Arbeiten in Druckluft nicht mehr verwendet werden. Ähnliches gilt für Taucherarbeiten.
Die arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen sehen eine erste Untersuchung, wiederkehrende Untersuchungen sowie eine Enduntersuchung vor. Wie alle arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen gliedern sich diese Untersuchungen in Anamnese, Befunderhebung und Beurteilung. Die Anamnese hat besonderen Wert darauf zu legen, ob bisherige Arbeiten in Druckluft bzw. Taucherarbeiten bewältigt wurden, ob Druckluft- bzw. Tauchererkrankungen aufgetreten sind, ob andere Erkrankungen oder Gesundheitsstörungen vorliegen, die für die Eignung von Bedeutung sein können, und insbesondere ist darauf Bedacht zu nehmen, ob Erkrankungen jener Organe oder Körperteile vorliegen, an denen gesundheitliche Schäden als Folge dieser Arbeiten auftreten können.

Medizinische Untersuchungen

Die ärztliche Untersuchung hat darauf Bedacht zu nehmen, ob Fettleibigkeit vorliegt und ob die Herzkreislauffunktion einwandfrei ist. Neben dieser allgemeinen ärztlichen Untersuchung wird besonders Augenmerk auf die Hals-, Nasen- und Ohrenuntersuchung gelegt und auf die Untersuchung der Extremitäten sowie auf die Untersuchung des neurologischen Status. An Funktionsuntersuchungen ist eine Ergometrie nach den Richtlinien der österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Ergometrie durchzuführen. Weiters ist eine Prüfung der Lungenfunktion durchzuführen. Zusätzlich ist bei jeder Untersuchung eine Röntgenaufnahme der Thoraxorgane (p.a.) in Hartstrahltechnik durchzuführen. Die Beurteilung hat zu berücksichtigen, dass erhöhte Anforderungen an die körperliche Leistungsfähigkeit gestellt werden. Als wesentliche Beeinträchtigung der Lungenfunktion wird eine Sollwertunterschreitung mit 20 % oder mehr definiert, im Fall des MEF50 eine Sollwertunterschreitung mit 50 % oder mehr.

Weiters sind mit einer Nichteignung verbunden:

  • Erkrankungen im Nasen-Rachenraum, insbesondere bei Undurchgängigkeit der Tuben, akuten Nebenhöhlenaffektionen sowie Erkrankungen des Mittelohres;
  • Erkrankungen der Atmungsorgane mit hochgradig eingeschränkter Lungenfunktion, wobei insbesondere auf tuberkulöse Kavernen, Lungenzysten, Emphysemblasen oder sonstige Höhlenbildungen in der Lunge zu achten ist;
  • Herz-Kreislauferkrankungen, insbesondere Hypertonie, hypotone Regulationsstörungen, Varizen
  • Magen-Darmerkrankungen, v.a. bei floriden Magen- und Zwölf- fingerdarmgeschwüren;
  • Hernien;
  • Gelenkserkrankungen;
  • Erkrankungen des ZNS

Prof. Dr. Christian. Wolf, Ärzte Woche 27/2003

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