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Innere Medizin 31. März 2006

Wenn Lungenkranke hoch hinaus wollen

Im Hochgebirge wirkt sich außer der Allergenkarenz unter anderem auch der Einspareffekt von systemischen Kortikoiden positiv auf die Atemwegsleiden aus.

Die Beobachtung von Alexander Spengler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, dass in der mittleren Höhe von 1.500 bis 1.700 Metern über dem Meeresspiegel in Davos die Lungentuberkulose sehr selten oder nie auftrat, war der Auslöser der Behandlung dieser Erkrankung in Sanatorien in solchen Höhen. Mit der Einführung der Chemotherapie zur Behandlung der Lungentuberkulose und der Entdeckung der Milbenfreiheit durch Spieksma und der Pollenarmut in Davos begann die Ära der Behandlung von unspezifischen Atemwegsleiden, speziell des Asthma bronchiale, im „Hochgebirge“.

Breites Indikationsspektrum

Im Laufe der Zeit erfolgte die Erweiterung des Indikationsspektrums für die Behandlung in mittleren Höhen wie zum Beispiel für die exogen allergische Alveolitis, Lungenerkrankungen durch organische Stäube, Lungenfibrosen, allergische bronchopulmonale Aspergillose, bronchialdeformierende Prozesse, Bronchiektasen einschließlich Mukoviszidose und alle Formen der Bronchitis. In dieser Höhe wirken sich außer der Allergenkarenz der Einspareffekt von systemischen Kortikoiden, die Steigerung der körpereigenen Kortisolproduktion durch das Reizklima und die Stärkung des Immunsystems durch die erhöhte IgG-Produktion positiv auf die Atemwegsleiden aus. In der Literatur werden Höhen von 1.000 bis 2.500 (3.000) m üNN als mittlere Höhen bezeichnet. Der Luftdruck in der Atmosphäre nimmt mit zunehmender Höhe ab. Der Partialdruck des Sauerstoff sinkt mit zunehmender Höhe und beträgt zum Beispiel in 5.000 m üNN nur noch die Hälfte des Wertes auf Meereshöhe. Der arterielle Sauerstoffpartialdruck (PaO2) ist abhängig vom Barometerdruck, Alter Geschlecht und Gewicht. Die Normwerte für PaO2 und PaCO2 werden für die Höhe von 1.600 Meter angegeben.

Höhenanpassung

Die Anpassung an die Höhe von etwa 1.600 m üNN erfolgt bei Gesunden und Patienten mit obstruktivem Atemwegsleiden meistens innerhalb von wenigen Tagen. Probleme bei der Anpassung an die Höhe können bei Patienten auftreten, die zu Hause auf Höhen bis 600 bis 700 Metern üNN bereits eine respiratorische Partialinsuffizienz oder eine schwergradige restriktive Atemwegserkrankung haben. Leitlinien betreffend die Durchführung der Sauerstofftherapie in mittleren Höhen liegen bisher nicht vor. Sie wird in der Hochgebirgsklinik Davos Wolfgang entsprechend den anerkannten Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie durchgeführt. Die Verordnung der Sauerstofftherapie erfolgt bei denjenigen Patienten, die von der Besserung ihres Atemwegsleidens in mittleren Höhenlagen profitieren, und unter der Voraussetzung, dass es zu keiner Retention von Kohlendioxyd kommt. Kontraindikationen für die Behandlung von Patienten in dieser Höhe ergeben sich aus dem hier bestehenden geringeren Sauerstoffpartialdruck.

Dr. Edgar Petri, Ärzte Woche 27/2003

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