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Innere Medizin 31. März 2006

Update COPD 2004

Die chronisch obstruktive Bronchitis ist eine progredient verlaufende Krankheit mit fortschreitendem Verlust an Atemleistung. Die Geschwindigkeit des Lungenabbaus hängt von den therapeutischen Interventionen ab.

Eine chronisch obstruktive Bronchitis wird klinisch in Erwägung gezogen und mittels Spirometrie diagnostiziert und quantifiziert. Die typischen Symptome sind chronischer Husten mit Sputumproduktion, Atemnot, Gewichtsverlust und fallweise Hämoptysen. Die Diagnose wird trotzdem oft erst in späten Stadien gestellt. Alle Behandlungsziele sollten darauf abzielen, das Fortschreiten der strukturellen Zerstörung von Lungenparenchym zu verhindern. Demnach kommt der Früherkennung einer gestörten Funktion der Lunge und der rechtzeitigen Eliminierung von Risikofaktoren eine zentrale Rolle zu. Die medikamentöse und nicht-medikamentöse Therapie nimmt in der chronischen Phase der Erkrankung ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. Exazerbationen sollten frühzeitig erkannt und effizient behandelt werden, da sie die Progression der COPD und die Lebensqualität des Patienten sehr ungünstig beeinflussen. Für alle COPD-Patienten, bei denen eine Dauerbehandlung indiziert ist – ab Stadium II – stellt sich Tiotropium als First-Line-Therapie dar, weil es eine über 24 Stunden anhaltende Verbesserung der Lungenfunktion mit Abnahme der dynamischen Hyperinflation bewirkt. Durch eine deutliche Verminderung von Atemnot und Exazerbationen kommt es unter Tiotropium zu einer klinisch bedeutsamen Steigerung der Lebensqualität.

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Indikationen zur Langzeit-Sauerstoff-Therapie (LTOT) sind:

  • PaO2 < 55 mmHg (SaO2 < 88%) unter maximaler Therapie, in stabiler Phase, blutig gemessen
  • PaO2 55 bis 60 mmHg + Cor pulmonale + Polyglobulie
  • PaO2 > 60 mmHg (SaO2 > 90%), nächtlicher Abfall der Sauerstoffsättigung < 88%, Abfall der SaO2 < 88% unter Belastung

Management der akuten Exazerbationen

Leichte und mittelschwere Exazerbationen können ambulant, schwere Exazerbationen müssen stationär behandelt werden. Die medikamentöse Therapie der akuten Exazerbationen der COPD wird grundsätzlich mit jenen Medikamenten durchgeführt, die auch in der stabilen Phase der Erkrankung Anwendung finden. Zusätzlich kommen systemische Steroide und bei Zeichen der bakteriellen Infektion Antibiotika zum Einsatz. Bei der antibiotischen Therapie empfehlen Experten ein „Cycling“: Hier werden die bewährten Antibiotikaklassen „Betalaktame“, „Fluorchinolone“ und „Makrolide“ abwechselnd eingesetzt. Die stationäre Behandlung sollte vorrangig auf Spezialabteilungen mit der Möglichkeit einer nicht-invasiven Beatmung (NIPPV) erfolgen.

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Steigerung der Lebensqualität

Prim. Prof. Dr. Otto Chris Burghuber, Vorstand der 1. Internen Lungenabteilung und Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten, Otto Wagner Spital, Wien: „Im GOLD-Stadium III und IV zeigte die TRISTAN-Studie, dass durch die inhalative Kombinationstherapie mit Kortikosteroiden und lang wirksamen Beta-2-Agonisten die Exazerbationshäufigkeit signifikant abnimmt und die Lebensqualität steigt. Laut NETT-Studie profitieren COPD-Patienten im GOLD-Stadium IV von einer lung volume reduction surgery, wenn das Emphysem hauptsächlich in den Oberfeldern lokalisiert ist, eine schlechte präoperative Leistungsfähigkeit vorliegt, die FEV1 über 20 Prozent und die DLCO über 20 Prozent liegt. Bei homogenem Emphysem und schlechteren Funktionsparametern besteht eine deutlich erhöhte Operationsmortalität. Interessante Zukunftsaspekte bieten PDE4-Inhibitoren, TNFalpha-Inhibitoren, Antioxidantien, Antiproteasen und die bronchologische Lungenvolumen-Reduktion mit einem Einwegventil, kurz VENT genannt.“

Quellen:
COPD Konsensus der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie, früher ÖGLUT, 2004
Prim. Prof. Dr. Otto Chris Burghuber, Vorstand der 1. Internen Lungenabteilung und Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für chronisch-obstruktive Lungenkrankheiten, OWS Wien
Wiener Klinische Wochenschrift, 2004

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