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Innere Medizin 30. Juni 2005

Schutz vor Lungenödem

Lausanne. Manche Menschen sind in großer Höhe anfällig für ein Lungenödem. Wenn Salmeterol inhaliert wird, sinkt das Ödem-Risiko. Vermutlich deshalb, weil die Substanz die Absorption von Flüssigkeit aus den Lungenalveolen fördert. Das hat eine Studie der Universität Lausanne ergeben. Ein Höhenlungenödem ist lebensbedrohlich und resultiert aus einem Ungleichgewicht der Kräfte, die Wasser in die Alveolen hinein- und herausbefördern. Wichtig ist dabei der Natrium-Transport, weil der von Wasser daran gekoppelt ist. Natrium wird von einem amilorid-sensitiven Kationenkanal und einer Natrium-Kalium-ATPase durch die alveolaren Epithelzellen ins Interstitium geschleust. Der Transport wird vermutlich durch das in der Asthmatherapie gebräuchliche Betamimetikum Salmeterol gefördert.

Dr. Claudio Sartori und sein Team von der Universität Lausanne haben diese Wirkung der bronchodilatierenden Substanz in einer kontrollierten Studie geprüft (N Engl J Med 346, 2002, 1631). Teilnehmer waren 51 Bergsteiger, die wenigstens einmal ein radiologisch nachgewiesenes Höhenlungenödem gehabt hatten, 33 Bergsteiger ohne Ödemneigung und sieben Personen mit transienter pulmonaler Hypertonie in ihrer Anamnese. 37 der Teilnehmer mit Ödemneigung nahmen am ersten Teil der Studie in 4.560 Metern Höhe teil. 

Am Tag vor dem Höhenaufenthalt fingen sie an, alle zwölf Stunden Salmeterol (18 Personen) oder Placebo zu inhalieren. Durch die Salmeterol-Prophylaxe nahm die Inzidenz von Lungenödemen um mehr als die Hälfte ab: 74 Prozent der Personen in der Placebogruppe, aber nur 33 Prozent in der Verumgruppe erkrankten daran. Zudem war mit Salmeterol etwa die Hypoxie weniger stark. In einem zweiten Studienteil, der nicht auf dem Berg stattfand, wurde bei 33 Bergsteigern mit Ödemneigung, 33 Kontrollpersonen und den sieben Personen mit transienter pulmonaler Hypertonie in der Anamnese die nasale transepitheliale Potenzialdifferenz gemessen. Bei den Probanden mit Ödemneigung war die Potenzialdifferenz um 32 Prozent niedriger als bei den anderen Personen, was auf einen Defekt im Natrium- und Wassertransport des Epithels hinweist. Dieser könnte nach Ansicht der Autoren genetisch und die Ursache für die Neigung zum Höhenlungenödem sein. 

Die Wissenschaftler hoffen nun, dass der Wirkstoff auch bei Lungenödemen hilft, die etwa bei Herzinsuffizienz oder beim Lungenversagen (respiratory distress syndrome) von Säuglingen einhergehen. 

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