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Innere Medizin 30. Juni 2005

Lungenhochdruck: Weitgehend unbekannt

Wien. Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 40.000 ÖsterreicherInnen, darunter viele Kinder und Jugendliche, an Lungenhochdruck leiden. Die Dunkelziffer ist aufgrund der schwierigen Diagnose hoch, es werden bis zu 200.000 Betroffene vermutet. Weltweit sind laut WHO rund 17 Millionen Menschen an Lungenhochdruck erkrankt.

"Die unspezifischen Frühsymptome, wie Müdigkeit, Herzklopfen oder Atemnot schon bei ’normaler’ Belastung werden oft nicht richtig zugeordnet oder als Folge mangelnder Kondition abgetan", erklärt Prof. Dr. Lutz- Henning Block, Leiter der Abteilung für Pulmologie an der Univ.-Klinik für Innere Medizin IV, AKH Wien.

Bei der pulmonalen Hypertonie wird durch Druckerhöhung im Lungenkreislauf über das normale Maß hinaus und zunehmenden Widerstand die rechte Herzhälfte überbeansprucht - mögliche Folge ist ein tödliches Rechtherzversagen. Die Entstehung des pulmonalen Hochdrucks wird heute als Folge einer "fehlgesteuerten" Wundheilung nach Gewebsschädigung gesehen, bei der die Lungenarterien durch übermäßig wachsende "Reservezellen" fortschreitend eingeengt werden.

Dadurch wird der Blutfluss durch die Lungen zunehmend erschwert. Als Auslöser der Erkrankung werden einerseit genetische Faktoren (in Österreich sind sieben Neugeborene pro Jahr betroffen), andererseits Bindegewebserkrankungen, chronischer Sauerstoffmangel, Herzklappenfehler oder Scheidewanddefekte verantwortlich gemacht. Auch 15% der RaucherInnen entwickeln eine Pulmonale Hypertonie.

Stark eingeengtes Gefäßlumen durch permanent gesteigertes Wachstum der Gefäßwandanteile

An der Abteilung für Pulmologie an der Wiener Univ.-Klinik wurde eine neue Lungenhochdruck-Therapie mit der körpereigenen Transmittersubstanz VIP (Vaso-intestinal Peptide) entwickelt. Die Substanz hat eine antiproliferative, entzündungshemmende und gefäßerweiternde Wirkung. "Wir konnten nachweisen, dass VIP - in Kombination mit anderen Medikamenten - zur Behandlung sogar schwerster Formen Pulmonaler Hypertonie geeignet ist und bei inhalativer Anwendung auch praktisch keine Nebenwirkungen auftreten", erklärt dazu Dr. Ventzislav Petkov, Oberarzt an der klinischen Abteilung für Pulmologie.

Die neue VIP-Therapie wurde Samstag, den 23. Juni 2001, im Rahmen des weltweit ersten Symposiums zur Zukunftstherapie des Lungenhochdrucks im Hotel Intercontinental präsentiert. Internationale Experten sprachen über das Spektrum effektiver medikamentöser Therapiemöglichkeiten und deren Kombinationen bei Pulmonaler Hypertonie. Damit sollen noch wirksamere Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität sowie zur Verlängerung der Überlebenszeit der Patienten erarbeitet werden.

Gemeinsam mit dem Österreichischen Selbsthilfeverein "Lungenhochdruck" rief die Univ.-Klinik für Pulmologie vor kurzem die "Gesundheitsinitiative Lungenhochdruck" ins Leben mit dem Ziel, Betroffenen und Ärzten sowie den Gesundheitsbehörden und der Pharmaindustrie eine gemeinsame Informationsplattform für den raschen Austausch wesentlicher klinischer und biologischer Daten zu ermöglichen und den Diagnose-Zeitrahmen wesentlich zu verkürzen.

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