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Innere Medizin 11. Juli 2005

Laryngospasmus kann Asthma begleiten

Akute Dyspnoe bei Asthmatikern, die nicht einmal auf eine hohe Kortison-dosis ansprechen, stellt einen deutlichen Hinweis auf eine Stimmband-Dysfunktion dar.

In Deutschland sind schätzungsweise 200.000 bis 300.000 Menschen von einer Stimmband-Dysfunktion betroffen. Dabei handelt es sich um einen intermittierenden, Atemnot induzierenden funktionellen in- oder exspiratorischen Laryngospasmus. Etwa drei bis fünf Prozent aller Asthmatiker haben eine solche Störung. Etwa zwei Drittel der Betroffenen haben diese Störung zusätzlich zu einem Asthma bronchiale. Wodurch dieser Laryngospasmus entsteht, ist bisher noch nicht geklärt (HNO 52, 2004, 103). Als Auslöser diskutiert werden unter anderem jedoch Mikroaspirationen und emotionaler Stress sowie chronische Infekte der Nasennebenhöhlen.

Regelrechte Todesangst

Starker Verdacht auf eine Stimmband-Dysfunktion besteht, wenn heftige Atemnotzustände plötzlich, vor allem bei der Inspiration, auftreten und nur wenige Sekunden bis maximal zwei bis drei Minuten anhalten und dann spontan sistieren. Oft kommen sie nach Hustenattacken vor. Die Atemnot-Attacken können täglich auftreten oder nur dreimal pro Jahr. Bei manchen Patienten sind die Atemnotzustände derart massiv, dass sie regelrechte Todesängste haben und sich zum Beispiel nicht mehr trauen, mit dem Auto zu fahren, oder auch die Angst haben, im Schlaf zu ersticken. Diese Sorge ist jedoch nicht nötig, da bisher keine Todesfälle im Zusammenhang mit einer Stimmband-Dysfunktion bekannt geworden sind. Vielen Patienten mit dieser Symptomatik kann erfahrungsgemäß allein dadurch geholfen werden, daß man sie beruhigt und ihnen erklärt, wie die Atemnot-Attacken zustande kommen. Oftmals fällt den Betroffenen ein Stein vom Herzen, wenn sie erfahren, was tatsächlich die Ursache für ihre Atemnot ist und dass der zugrundeliegende Kehlkopfspasmus im Prinzip harmlos ist. Das entspannt die Patienten, und die Atemnot-Attacken werden milder oder verschwinden in Einzelfällen zur Gänze.
Lediglich Patienten, bei denen die Laryngospasmen durch beruhigende Gespräche nicht verschwinden, sollten von einem Pneumologen weiter untersucht werden. Auf alle Fälle sollte vor Therapiebeginn die Diagnose stehen. Die Endoskopie mit Provokation eines Laryngospasmus gilt hier als Goldstandard. Noch aussagekräftiger ist die Endospirometrie. Hiermit werden nicht nur die Kehlkopfspasmen mittels Laryngoskopie nachgewiesen, sondern gleichzeitig die dadurch ausgelöste Atemnot demonstriert, indem der gestörte Atemfluss mittels Spirometrie auf einer Sinus-Kurve abgebildet wird.

Noch keine etablierte Therapie

Die Untersuchung wird nach nasaler Schleimhautanästhesie transnasal ohne systemische Prämedikation und ohne Rachenanästhesie vorgenommen. Dabei wird ein Laryngospasmus provoziert, möglichst so, wie ihn der betreffende Patient bereits im Alltag erlebt hat. Das gelingt meist, indem der Patient der individuell eruierten Reizsituation ausgesetzt wird. So werden Geruchs- und Geschmackssinn etwa durch Zitronensaft, Parfüm oder Zigarettenrauch gereizt. Es gibt außerdem taktile Reizungen. Wichtig ist nach Angaben von Kenn, dass die Art der induzierten Atemnot möglichst exakt mit der den Patienten bekannten Dyspnoe-Qualität übereinstimmt. Es gibt derzeit noch keine etablierten Therapien bei Stimmband-Dysfunktion. Wichtig scheint es jedoch, dass nach der Diagnose die Asthma-Medikation reduziert oder – sofern der betreffende Patient gar kein Asthma hat – gar abgesetzt wird, da diese bei funktionellen Laryngospasmen nicht wirke. Wenn beruhigende Gespräche mit den betroffenen Patienten nicht ausreichen, sind Atemtherapie, logopädische Übungen, Entspannungsverfahren und Psychotherapie eine Option. Die krampfartige Kontraktion der Kehlkopfmuskulatur mit Einengung der Glottis ist typische Folge einer Stimmband-Dysfunktion. Wodurch der Spasmus dabei entsteht, ist noch unklar. Starker Verdacht auf eine solche Dysfunktion besteht, wenn heftige Atemnotzustände plötzlich, vor allem bei der Inspiration, auftreten und nur wenige Sekunden bis maximal zwei bis drei Minuten anhalten und dann spontan aufhören.

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