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Innere Medizin 30. Juni 2005

COPD: Mehr als eine Lungenkrankheit

Husten, Auswurf und Atemnot sind die „Markenzeichen” der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). 80 bis 90 Prozent der Patienten sind Raucher oder waren es einmal. COPD-Patienten haben aber nicht nur eine kranke Lunge, sondern zusätzlich Systemerkrankungen. Affektionen der Herzkranzgefäße, Krebs, Schlafapnoe und Osteoporose machen ihnen vielfach zu schaffen.

Bei obstruktiven Atemwegserkrankungen ist das kardiale Risiko signifikant erhöht, COPD und KHK treten gehäuft gemeinsam auf. Beim akuten Myokardinfarkt ist eine COPD, nach Hypertonie und Diabetes, die dritthäufigste Begleiterkrankung. Ein wichtiger Faktor dabei ist das Rauchen, und immer wieder wird aber auch über eine gemeinsame entzündliche Genese spekuliert. Die COPD ist ein relevanter Risikofaktor bezüglich der Mortalität bei koronarer Herzkrankheit – auch wenn man das Rauchen herausrechnet. Und umgekehrt ist die KHK ebenfalls ein bedeutsamer Risikofaktor für die COPD.

Unterschiedliche Wirkung der Betablocker

Betablocker haben unerwünschte pulmonale Effekte, führen zu Bronchokonstriktion und Abnahme der mukoziliären Clearance. Es hat sich gezeigt, dass eine Betablockade bei Patienten nach Herzinfarkt selbst dann die Prognose verbessert, wenn zusätzlich eine COPD besteht. Auch bei COPD-Patienten sind beta-1-selektive Betablocker zur Sekundärprävention nach Herzinfarkt, bei symptomatischer KHK sowie bei Herzinsuffizienz indiziert. Empfehlenswert ist beim Einsatz kardioselektiver Betablocker, anfangs die Lungenfunktion zu kontrollieren und im Einzelfall mit einem topisch wirksamen Bronchodilatator zu kombinieren. Manchmal kommt es zu bedrohlichen tachykarden Rhythmusstörungen.

Alle Bronchodilatatoren können Arrhythmien auslösen

Anticholinergika sind bei Patienten mit kardialer Komorbidität erste Wahl; an zweiter Stelle folgen Beta-2-Mimetika. Diese Substanzen sind weniger arrhythmogen, wenn man sie inhalativ via Dosieraerosol oder Pulverinhalator gibt. Theophyllin macht am häufigsten Probleme und ist hier nur dritte Wahl. Auch haben COPD und Lungenkarzinom als wichtige gemeinsame Ursache das Rauchen. Die COPD per se sorgt schon für ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko, gestörte mukoziliäre Clearance und vermehrte Deposition von Karzinogenen werden verantwortlich gemacht. Ein Lungenkarzinom kann sich hinter den Symptomen einer COPD verbergen, sodass ein Screening für Risikopatienten, idealerweise ein Niedrigdosis-CT und Sputumdiagnostik durchzuführen sind.
COPD und Schlafapnoe dagegen haben keine gemeinsamen Risikofaktoren, können aber natürlich zusammen auftreten. Man geht von einer gemeinsamen Prävalenz von rund zehn Prozent aus. Die Schlafeffizienz ist bei ihnen besonders schlecht. Die COPD verstärkt die Verminderung der nächtlichen Atmung noch. Vor allem der REM-Schlaf ist eine kritische Phase, da die Atemhilfsmuskulatur inaktiviert und der Atemantrieb reduziert wird, was eine erhebliche Hypoxämie nach sich ziehen kann und ein nächtliches Monitoring durchaus sinnvoll macht. Schon bei leichter COPD muss davon ausgegangen werden, dass etwa ein Drittel der Patienten und bei lange bestehender schwerer COPD nahezu 100 Prozent mit einer Osteoporose rechnen müssen. Denn die COPD ist eine Systemerkrankung, die mit generalisierter Inflammation, muskuloskelettaler Dysfunktion, körperlicher Inaktivität, Hypoxämie und hormonellen Problemen einhergeht. Fakt ist außerdem, dass viele COPD-Patienten Kortikoide erhalten.

Kalzium und Vitamin D

Schon die inhalative Therapie scheint das Risiko von Wirbelkörperbrüchen zu erhöhen, weshalb möglichst effiziente Prophylaxe betrieben werden muss. Zur konsequenten Osteoporoseprävention gehören körperliche Aktivität, Raucherentwöhnung und schon bei leichter COPD die Einnahme von täglich 1000 Milligramm Kalzium und 1000 internationale Einheiten Vitamin D. Bei manifester Osteoporose das entsprechende Schema.

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