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Innere Medizin 30. Juni 2005

COPD ist weiter im Vormarsch

Im Rahmen des Symposiums „Art & Science“, wurde am 21. November 2004 im Jugendstiltheater auf der Wiener Baumgartner Höhe unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Otto Burghuber der Welt-COPD-Tag 2004 abgehalten. Die große Gefahr durch diese „Killerkrankheit der nächsten Jahrzehnte“ wurde mit aktuellen Daten und Fakten durch OA Dr. Sylvia Hartl sehr plastisch dargestellt.

Die progressive, durch inhalative Noxen verursachte Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) tritt doppelt so häufig in Erscheinung wie Asthma. Da der Beginn der chronisch obstruktiven Bronchitis schleichend und unspektakulär verläuft, ist die Dunkelziffer von COPD-Patienten im Stadium 0 bis 2 sehr hoch. Laut WHO leiden weltweit mehr als 600 Millionen Menschen an COPD. In Österreich sind rund eine Million Menschen von COPD betroffen. Im Jahr 1990 belegte COPD in der Mortalitätsstatistik den sechsten Platz und im Jahr 2000 bereits den vierten Platz. Im Jahr 2020 wird COPD auf den dritten Rang vorgerückt sein, knapp hinter Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall, aber noch vor Pneumonien (vierter), Tuberkulose (fünfter) und Bronchuskarzinom (siebenter Rang). In der Rangliste „Burden of Disease“ wird COPD im Zeitraum von 1990 bis 2020 vom 12. auf den fünften Platz vorrücken. Ein Erkrankungsjahr kostet dem COPD-Patienten 0,314 eines gesunden Jahres an Lebenszeit. Die COPD mit ihrer fortschreitenden Zerstörung der Lunge ist die einzige unter den großen Killerkrankheiten mit steigender Todesrate (+163 Prozent).„ 20 bis 50 Prozent aller Raucher entwickeln eine COPD“, bringt OA Dr. Sylvia Hartl, I. Interne Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien, und Generalsekretärin der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP) die Problematik auf den Punkt: „Inhalatives Rauchen ist das größte vermeidbare Gesundheitsrisiko. Rund 40 Prozent der österreichischen Bevölkerung weisen eine Nikotinabhängigkeit auf. Pro 1.000 Arbeitnehmer würde sich die Wirtschaft bei einem rauchfreien Arbeitsplatz drei Arbeitskräfte sparen. Abwarten und Nichtstun produziert sehr viele COPD-Patienten. Eine frühzeitige Diagnose und rechtzeitige Therapie können diese fatale Entwicklung bremsen. Dazu bedarf es einer riesigen Kompetenzvernetzung mit einem nationalen Gesundheitsplan.“

Erstmals epidemiologische Daten aus Österreich

Die internationale BOLD-Studie, in deren Rahmen 2004 bis 2005 in Österreich erstmals epidemiologische Daten und ökonomische Modelle erstellt werden, bietet eine wertvolle Grundlage für Präventionsstrategien. Die Primärprävention sollte bereits im Alter von zehn bis 12 Jahren durchgeführt werden, weil Jugendliche in diesem Alter erste Erfahrungen mit Zigarettenrauchen machen. Die Sekundärprävention soll alle Raucher zu einer Raucherentwöhnung motivieren. Das am besten geeignete Screening-Instrument ist die Spirometrie. Die wichtigste Zielgruppe für Screening-Untersuchungen sind Raucher, bei denen ab dem 40. Lebensjahr jedes Jahr eine Lungenfunktion durchgeführt werden sollte. Außerdem sollten alle Patienten mit Symptomen wie Husten, Auswurf, Atemnot oder einer Risikoanamnese wie Schadstoffexposition oder genetische Disposition einem COPD-Screening unterzogen werden. Das erweiterte Untersuchungsspektrum umfasst Raucherstatus, Exazerbationen, Body-Mass-Index, Sputumkulturen, Thorax-CT, Blutgasanalyse, ergonomische Leistungstests und Schlafuntersuchungen. Die Ziele der medikamentösen Therapie der COPD sind laut Prof. Dr. Otto Burghuber, Vorstand der I. Interene Lungenabteilung, Otto Wagner Spital, Wien, die Verbesserung des klinischen Verlaufs der Erkrankung, die Verminderung von Symptomen sowie die Verbesserung von Belastungstoleranz und Lebensqualität.

Langzeittherapie der stabilen COPD

Die Langzeittherapie der stabilen COPD ist durch eine schrittweise Erweiterung der Therapieoptionen in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung gekennzeichnet. Das langwirksame Anticholinergikum Tiotropium (Spiriva®) führt bei COPD-Patienten zu einer Bronchodilatation, die über 24 Stunden anhält, woraus über die Linderung der Dyspnoe eine klinisch relevante Verbesserung der Lebensqualität resultiert. Burghuber: „Durch die „gefangene Luft“ atmen COPD-Patienten auf einem hohen inspiratorischen Niveau und geraten leicht in Atemnotzustände. Tiotropium vermindert die Atemnot durch Reduktion des Residualvolumens. Demnach gelten Anticholinergika weiterhin als Bronchodilatatoren der ersten Wahl bei COPD.“ Zusätzlich bei COPD empfohlene Wirkstoffe sind Beta-2-Sympathikomimetika, Theophylline und Glukokortikoide. Burghuber bekennt sich beim COPD-Management aber trotz ungünstiger epidemiologischer Daten aufgrund innovativer Behandlungsstrategien und neuer Substanzen zum Leitsatz „The future is bright“.

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