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© milenka1984/iStock
 
Innere Medizin 21. August 2014

Unterstützung von Innen

Haut, Haare und Nägel benötigen für gesunde Struktur und Wachstum zahlreiche Nährstoffe, die den Stoffwechsel im Gleichgewicht halten.

An Haaren, Haut und Nägeln lassen sich zahlreiche Störungen im körperlichen aber auch seelischen Gleichgewicht des Betroffenen ablesen. Abgesehen von äußerlichen Einwirkungen sind negative Veränderungen häufig eine Folge der mangelnden Versorgung mit Nährstoffen aus unterschiedlichsten Gründen.

Das Auftreten pathologischer Veränderungen der Haut, Haare, Nägel und Schleimhäute in Folge von Mangelernährung belegt den Zusammenhang zwischen Ernährung, der Funktion und dem Zustand der Haut und ihrer Anhangsgebilde. Grundsätzlich ist unsere Ernährung mit ausreichend Nährstoffen ausgestattet, um derartige Mangelerscheinungen zu verhindern. Allerdings legt ein Blick auf die Ernährungs- und Lebensgewohnheiten einer Vielzahl an Menschen in der westlichen industrialisierten Welt nahe, dass eine entsprechend vollwertige Versorgung nicht oder nicht ausreichend gegeben ist.

Folgen von Fehl- und Mangelernährung

Erkrankungen von Haut, Haaren und Nägeln als Folge von Unter- oder Fehlernährung werden bei uns, so Ralph Trüen, „überwiegend bei Alkoholismus, Drogensucht, psychischen Krankheiten (Anorexie) und im Alter gesehen.“ Als Ursachen für Mangelernährung im Alter nennt Trüen Appetitabnahme, sozioökonomischer Status und soziale Isolation, verminderte physische wie kognitive Funktionalität, Depression, Zahnprobleme, gastrointestinale Erkrankungen mit verminderter Resorption, Erkrankungen mit gesteigertem Metabolismus wie Schilddrüsen-, Herz- oder Lungenerkrankungen, Medikamentennebenwirkungen und Multimorbidität.

Das Angebot von Nahrungsergänzungsmitteln, die die fehlenden Nährstoffe ersetzen sollen, ist groß, allerdings sind manche hinsichtlich ihrer Wirksamkeit vor allem als Monopräparate nicht unumstritten. Der Wissensstand über die Bedeutung einzelner Nährstoffe für Haare und Nägel stützt sich, laut Trüen, auf Beobachtungen bei (seltenen) angeborenen Stoffwechselstörungen, bei Mangel- und Fehlernährungszuständen sowie aus Nahrungsergänzungsmittelstudien an Tieren und an Menschen. Speziell die Gruppe der Personen mit Mangel- und Fehlernährungszuständen ist jedoch ein weites Feld und in seiner gesamten Dimension wohl häufig unterschätzt.

Zehnmal langsameres Wachstum der Nägel

Die Nagelsubstanz ist biochemisch zwar mit jener der Haare identisch, die Nägel unterscheiden sich jedoch in ihrer Biologie, denn sie wachsen beispielsweise etwa zehnmal langsamer, kontinuierlich und nicht zyklisch und sind hormonunabhängig.

Aufgrund des komplexen Erneuerungsmechanismus der Haare mit einer hohen Zellteilungs- und Stoffwechselaktivität ergeben sich mehrere Ansatzpunkte für die bei Mangelzuständen zu wenig vorhandenen Mikronährstoffe. Sauerstoff muss ausreichend transportiert werden, die Versorgung mit Energie funktionieren und Aufbaustoffe für die Haarkeratinbildung in Form von Eiweißen sowie Co-Faktoren in Form von Vitaminen und Spurenelementen sind für den physiologischen Ablauf der Stoffwechselvorgänge notwendig. Dementsprechend werden für bestimmte Mikronährstoffe positive Auswirkungen für den Stoffwechsel postuliert. Für die Blut- und Sauerstoffversorgung sind dies Vitamin B6 und B12, Folsäure, Vitamin C, Flavonoide und Eisen. Für die Zellteilung und -differenzierung sind dies Vitamin B12, Folsäure und Vitamin D, für die Energieversorgung für die Bildung von Haarkeratin, die über den Glukose- und Glutamin-Stoffwechsel abläuft, kommen Vitamin B6, Niacin, Vitamin D und Magnesium zum Tragen und für den Aufbau des Haarkeratins Zystein, Glutamin/Glutaminsäure, Vitamin B6, Zink und Magnesium, wie Trüen erklärt.

Ernährung und Medikamente behindern die Nährstoffaufnahme

Auch der tägliche Zinkbedarf wäre bei ausgewogener Ernährung abgedeckt, da Zink in nahezu allen Nahrungsmitteln vorkommt. Phytinsäure, die vor allem in bestimmten Hülsenfrüchten wie Kichererbsen, Hafer, Weizen, Roggen usw. enthalten ist, kann allerdings die Aufnahme von Zink über den Darm erschweren, da sie elementaren Zink in festen Phytat-Zink-Komplexen bindet und damit zu einem Zinkmangel führt.

Auch bestimmte Medikamente wie zum Beispiel der ACE-Hemmer Captopril reduzieren durch die Bildung von Zinkkomplexen die verfügbaren Zinkspiegel. Darüber hinaus tritt Zinkmangel bei Fehlernährung wie Magersucht oder auch Alkoholmissbrauch sowie bei chronischen Magen-Darm- und Nierenerkrankungen auf, da Zink hier vermindert aufgenommen bzw. vermehrt ausgeschieden wird. Ein Mangel an Biotin kommt vor allem bei exzessivem Genuss von rohem Eiweiß, bei chronischen Darmerkrankungen und länger andauernder antibiotischer Therapie vor. Allerdings ist der genaue Tagesbedarf nicht geklärt und er scheint wesentlich von der Darmflora und der Ernährung abhängig zu sein. Als klinischer Ausdruck kann es sowohl bei Zink- als auch bei Biotinmangel neben Haarausfall zu Dermatitiden und Veränderungen in der Nagelstruktur kommen.

Ob und welche Nährstoffe und in welcher Form und über welchen Zeitraum eingenommen werden, sollte allerdings gut reflektiert und je nach Schwere der Symptome nach ärztlicher Rücksprache auf jeden Fall aber mit individueller Beratung des Apothekers erfolgen.

 

Der Artikel basiert auf der Veröffentlichung „Wie Nahrungsergänzungsmittel auf Haare und Nägel wirken“ von Prof. Dr. Ralph M. Trüeb in der Zeitschrift ästhetische dermatologie 02.2013

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