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© Beornbjorn / iStock / Thinkstock
Chronische Krankheiten sind für Hochbetagte meist kein Problem mehr.
 
Innere Medizin 7. Juli 2014

Über 100-Jährige sterben häufig an Atemwegsinfekten

Wer ein extrem hohes Alter erreicht hat, sollte daher vor allem vor akuten Stressereignissen geschützt werden.

Über Herzinfarkt und Krebs können Uralte milde lächeln: Wenn sie sterben, dann vorwiegend an Atemwegsinfekten. Achten Ärzte und Betreuer auf diese Gefahr, können sie Klinikaufenthalte am Lebensende vielleicht eher vermeiden.

Eine Reihe von Studien versucht derzeit herauszufinden, wie sich teure und auch aus Patientensicht wenig erfreuliche Klinikaufenthalte am Lebensende vermeiden lassen.

Eine Gruppe um Catherine Evans vom King’s College in London betrachtete dafür nun die Gruppe der über Hundertjährigen. Noch sind es zwar recht wenige Menschen, die ein solch hohes Alter erreichen, doch ihre Zahl verdoppelt sich seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts alle zehn Jahre. Leben heute auf unserem Planeten etwa 320.000 Hundertjährige, dürften es bis zum Ende des Jahrhunderts 18 Millionen sein.

Die Forscher um Evans erkundeten anhand von Bevölkerungsdaten und Todesursachen-Statistiken, was bei Hundertjährigen für Tod und Krankheit am Lebensende sorgt. Insgesamt konnten sie Daten von knapp 36.000 Briten auswerten, die zwischen 2001 und 2010 im Alter von über 100 Jahren gestorben sind. 87 Prozent waren Frauen. Als Vergleichsgruppe dienten über eine Million Einwohner, die im selben Zeitraum zwischen ihrem 80. und 100. Geburtstag verschieden.

Chronische Krankheiten überlebt

Wie sich herausstellte, waren chronische Krankheiten für die Hochbetagten ein deutlich geringeres Problem als für die jüngeren Alten - das scheint auf den ersten Blick auch plausibel, weil sie sonst wohl nicht so alt geworden wären. So starb etwa ein Viertel der 80- bis 84-Jährigen an Krebs, aber nur 4,4 Prozent der Personen mit 100 und mehr Jahren. Häufigste Todesursache bei den jüngeren Alten waren Herz- und Gefäßerkrankungen, 41 Prozent der Todesfälle im Alter von 80 bis 84 Jahren ließen sich darauf zurückführen. Jenseits des 100. Lebensjahres hatten diese Erkrankungen nur noch einen Anteil von 29 Prozent bei den Todesursachen. Häufigste Einzelursache in dieser Altersgruppe war mit 18 Prozent die Lungenentzündung. Insgesamt ging etwa ein Viertel der Todesfälle bei den Hochbetagten auf das Konto von respiratorischen Erkrankungen. Bei 28 Prozent hatten die Ärzte den Hochbetagten „Altersschwäche“ auf dem Totenschein als Ursache attestiert.

Für Evans und ihre Mitarbeiter ergibt sich daraus eine Reihe von Schlussfolgerungen: Zum einen haben Hochbetagte viele der chronischen Krankheiten wie Krebs, Herzinfarkt oder Schlaganfall „überlebt“. Diese seien vor allem für die jüngeren Alten ein Problem. Dagegen seien die Uralten aufgrund ihrer Gebrechlichkeit besonders für akute Erkrankungen anfällig. Aus einer für jüngere Menschen eher harmlosen Infektion kann sich bei ihnen schnell eine tödliche Pneumonie entwickeln. Ärzte und Betreuer sollten daher auf Bedingungen achten, die solche akuten Stressereignisse vermeiden. Zudem komme es in den letzten Lebenswochen bei Hochbetagten oft zu einem plötzlichen und starken Abbau der Kräfte. Ist ein solcher abrupter Verfall zu beobachten, sollten es sich Ärzte und Betreuer gut überlegen, ob sie diesen uralten Menschen einen Krankenhausaufenthalt zumuten, den sie mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben, oder ob sie ihnen ein Ende in vertrauter Umgebung gestatten.

ki/springermedizin.de, Ärzte Woche 28/2014

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