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Innere Medizin 30. Juni 2005

Skoliose und Spondylolyse

Säuglingsskoliosen, Morbus Scheuermann, Spondylolysen, neuromuskuläre Skoliosen: Wirbelsäulenerkrankungen sind auch bei Kindern und Jugendlichen nicht so selten.
"Am Anfang der Abklärung bei Wirbelsäulenerkrankungen steht eine ausführliche Anamnese: Wo sind die Schmerzen? Wann kommen sie - in Ruhe oder unter Belastung? Gab es einen Unfall? Wurde Sport betrieben? Und gibt es zugleich vielleicht neurologische Veränderungen - zum Beispiel der Blase?", sagte Dr. Johannes Correll, Chefarzt der Kinderorthopädischen Klinik in Aschau, Deutschland, in seinem Vortrag am 35. Pädiatrischen Fortbildungskurs in Obergurgl.

Skoliosen: idiopathisch oder Fehlbildung

Anzuschließen sei eine genaue Inspektion hinsichtlich Verkrümmung, Asymmetrie und Bemuskelung, schließlich eine aktive und passive Untersuchung die Beweglichkeit betreffend sowie eine Palpation. 
"Erst dann folgen Muskelfunktionstests und neurologische Untersuchungen", so Correll. Bei den Skoliosen unterscheide man ?diopathische Skoliosen?und ~Fehlbildungsskoliosen? 

Die verschiedenen Formen von Skoliose

"Eine Säuglingsskoliose ist relativ häufig und verschwindet meist im ersten Lebensjahr. Therapie bedarf sie bei unauffälliger Neurologie keiner, eventuell ist Manualtherapie hilfreich", erläutert Correll. "Zum Übergang in die Infantile Skoliose kommt es selten. Diese beginnt zwischen dem ersten und dritten Lebensjahr, ist progredient und generell selten." Die Juvenile Skoliose ist ebenso progredient und beginnt zwischen dem vierten und zehnten Lebensjahr. "Ab dem 11. Lebensjahr spricht man von einer Adoleszentenskoliose. Diese ist häufiger, progredient und es kann zu einer Rotation und Lordose der Wirbelsäule kommen", so Correll weiter. "Bei einer progredienten Skoliose ist immer an ein intramedulläres Geschehen zu denken. Wichtig ist ein Ausschluss von Syringomyelie, Hydromyelie, Tethered cord und anderem." Physiotherapie von "Turnen" bis Vojta führe bei geringgradiger Skoliose durchaus zum Erfolg. 

"Ab 20 Grad nach Cobb - der häufigsten verwendeten Methode der Skoliosevermessung - und bei Progredienz ist ein Korsett erforderlich. Eine Spondylodese ist ab zirka 40 Grad ratsam", führt Correll aus.
Zu Fehlbildungsskoliosen kann es durch Wirbelanomalien - wie Keilwirbel oder Schmetterlingswirbel - oder durch Segmentationsstörungen kommen.
"Der Morbus Scheuermann oder die Adoleszentenkyphose ist eine Aufbaustörung der Wirbelsäule während des Wachstums. Es kommt zu einer verminderten Belastbarkeit der Apophysen an den Wirbelkörpern", erklärt Correll. Betroffen seien vor allem Leistungssportler und Jugendliche mit sehr schlechter Haltung. "Krankengymnastik und Sport reichen als Therapie oft aus. Bei einer Kyphyse über 50 Prozent ist ein Korsett nötig. Operation ist fast nie nötig."

Spondylolyse: genetisch oder durch Sport

Correll: "Eine Spondylolyse ist ein knöcherner Defekt an der Interarticularportion des Wirbelbogens, meist lumbosacral, angeboren oder erworben." Zirka fünf Prozent der Bevölkerung seien davon betroffen und blieben jedoch asymptomatisch. "Genetische Veranlagung aber auch Sport - Leistungssport - sind die Ursachen. Besonders reklinierendes Üben wie beim Kunstturnen oder Dressurreiten verringert die Stabilität lumbosakral zugunsten vermehrter Mobilität." Bei Sportlern werde während der aktiven Zeit meist gut kompensiert, die Schmerzen kämen später. "Lumbosacrales Wirbelgleiten - das heißt der Rumpf gleitet nach ventral - wird als Spondylolisthese bezeichnet", erklärt Correll.

Neuromuskuläre Skoliosen können neurogen bedingt sein zum Beispiel durch Zerebralparesen, Meningomyelozele und Polio- oder muskulär, zum Beispiel durch Muskeldystrophien.
"Bei Muskeldystrophien ist die Skoliose durch die Schwerkraft bedingt. Ein Korsett ist meist nicht sinnvoll, da es zum Verlust der Gehfähigkeit führen kann. Eine Frühoperation der Wirbelsäule bereits ab 25 Grad wird empfohlen", so Correll abschließend zur Therapie der durch Muskeldystrophien verursachten Skoliosen. 

Dr. Edgar Tichatschek, Ärzte Woche 10/2002

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