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Innere Medizin 30. Juni 2005

Skoliose bei Kindern - Grunderkrankung?

Wiesbaden. Bei Kindern muss jede Skoliose, besonders wenn sie schmerzhaft ist, abgeklärt werden. Denn sie kann ein Erstsymptom verschiedener neurologischer Erkrankungen sein. Eine gründliche klinische Untersuchung durch den Hausarzt ist ausreichend.

Mehr als 390 Syndrome

Ergeben sich dabei keine weiteren Hinweise auf eine neurologische Krankheit, sei auch keine apparative Untersuchung mehr nötig, hieß es kürzlich bei einer orthopädisch-pädiatrischen Fortbildungsveranstaltung in Wiesbaden.
Mehr als 390 Syndrome können mit einer Skoliose einhergehen, so Dr. Jürgen Seeger, Pädiater an der Deutschen Klinik für Diagnostik in Wiesbaden. Darunter sind myopathische Krankheiten, entzündliche Erkrankungen des Nervensystems, aber auch Krankheiten, die mit metabolischen Störungen einhergehen. Die Skoliose ist dabei meist nur eines von vielen Problemen einer längst diagnostizierten Erkrankung des Kindes.

Bei vier Erkrankungen jedoch könne die Skoliose wichtig bei der Differentialdiagnose sein, sagte Seeger. Diese vier Erkrankungen sind:

  • die Friedreich?che Ataxie,
  • hereditäre Neuropathien,
  • der Morbus Recklinghausen und
  • die Syringomyelie.

"Es kann durchaus sein, dass ein Kind mit motorischen Auffälligkeiten zum Arzt kommt, etwa Muskelschwäche der Beine, ohne dass eine Skoliose schon festgestellt wurde", so Seeger. Der einfache Vorbeugetest macht den typischen Rippenbuckel der Wirbelsäulenverkrümmung dann sichtbar.

Friedreich?che Ataxie

So haben zwei von drei Patienten mit Friedreich?cher Ataxie eine Skoliose. Bei diesen Kindern mit der autosomal-rezessiv vererbten Erkrankung fallen außer der Ataxie auch die fehlenden Muskeleigenreflexe auf sowie Pyramidenbahnzeichen wie ein positiver Babinski-Test.
Kinder mit hereditären sensiblen und motorischen Neuropathien hätten oft einen Hohlfuß, so Seeger weiter. Diese Patienten würden oft wegen Gangauffälligkeiten vorgestellt, etwa wegen einer Fußheberschwäche.
Bei Kindern mit Morbus Recklinghausen fallen außer der Skoliose die typischen Café- au-lait-Flecken und Neurofibrome auf. Typisch sind auch knöcherne Dysplasien, etwa eine Verbiegung der Tibia.

Frühsymptom bei Syringomyelie

Als wichtigste Krankheit dieser vier Syndrome aus neuropädiatrischer Sicht bezeichnete Seeger die Syringomyelie. Dabei handelt es sich um eine Höhlenbildung im Rückenmark. Die Skoliose könne bei dieser Erkrankung ein Frühsymptom sein, wohingegen die anderen Zeichen noch äußerst diskret sind, etwa ein vermindertes Schmerzempfinden, ein Schiefhals oder Muskelatrophien an Armen und Beinen.
Ergibt sich bei der klinischen Untersuchung ein Verdacht auf eine neurologische Erkrankung, sollten elektrophysiologische Untersuchungen wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit sowie bildgebende Verfahren, etwa eine spinale Magnetresonanztomographie, angeschlossen werden.

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