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Innere Medizin 30. Juni 2005

Bei schlechter Haltung nach Rückenbeschwerden fragen

Wiesbaden. Rückenschmerzen bei Kindern sind gar nicht so selten: Acht bis 17 Prozent der Kinder leiden gelegentlich oder oft unter Rückenschmerzen, so Dr. Gerhard Brunnengräber von der Orthopädischen Klinik in Wiesbaden. Die Ursachen der Beschwerden seien häufig schwer zu ermitteln.

Bei einem Viertel der Kinder mit Rückenschmerzen bleibe die Ursache unklar, sagte Brunnengräber bei einer Fortbildungsveranstaltung in Wiesbaden zum Thema Wirbelsäulenerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen.

Einen ersten Hinweis auf die Ursache von Rückenschmerzen könne ihre Intensität geben. Starke Schmerzen weisen auf eine ernste Erkrankung hin, etwa auf eine Wirbelfraktur, einen Tumor, auf eine Spondylodiszitis oder auf einen Bandscheibenvorfall. Patienten mit Skoliosen, Morbus Scheuermann oder Spondylolisthesis haben dagegen oft keine oder nur wenige Beschwerden.

Häufig würden Kinder und Jugendliche von ihren Eltern nicht wegen der Schmerzen, sondern lediglich wegen einer schlechten Körperhaltung beim Arzt vorgestellt.

Eine genaue Anamnese ist unerläßlich und es sollte stets nach Traumata, Verletzungen oder belastungsabhängigen Beschwerden gefragt werden, so Brunnengräber zur deutschen "Ärzte Zeitung".

Für eine grob orientierende Untersuchung der Wirbelsäule von Kindern beim Hausarzt reichen nach Ansicht von Brunnengräber folgende einfache Maßnahmen aus:

  • Inspektion von hinten: Schulterstand, Wirbelsäulenlot, Beckenstand;
  • Inspektion von der Seite: Beurteilung von Hals- und Lendenlordose sowie von Brustkyphose und Beckenstand;
  • Vorbeugetest, um bei Kindern oder Jugendlichen einen Rippenbuckel erkennen zu können;
  • Haltungstest nach Matthiaß, wobei das Kind aufgefordert wird, im Stehen beide Arme nach vorn auszustrecken und diese Haltung etwa 30 Sekunden beizubehalten. (Siehe Kasten!)
  • Finden sich Auffälligkeiten oder halten Beschwerden bereits länger als vier Wochen an, sollte ein Orthopäde konsultiert werden.

Überweisung nicht zu lange hinauszögern!

Manchmal werde mit der Überweisung viel zu lange gewartet, bedauert der Experte. Bei Kindern mit Wirbelsäulenerkrankungen, die erst im Alter von 13 oder 14 Jahren in die fachärztliche Betreuung kommen, ist es nach Angaben von Brunnengräber für eine adäquate Therapie häufig schon zu spät.

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