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Innere Medizin 30. Juni 2005

Hüftendoprothese nützt besonders Über-80-Jährigen

Edmonton. Die Implantation einer künstlichen Hüfte ist auch bei Patienten, die achtzig Jahre und älter sind, eine empfehlenswerte Maßnahme.
"Diese Patienten profitieren besonders von einem solchen Eingriff - und zwar immer dann, wenn die Indikation eine Arthrose ist", sagte Privatdozent Dr. Josef Zacher aus Berlin-Buch im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung". Bestätigt wird diese Erfahrung aus Deutschland jetzt durch das Ergebnis einer neuen kanadischen Studie von Dr. Allyson Jones und seinen Kollegen aus Edmonton in der Provinz Alberta, die in den "Archives of Internal Medicine" (161, 2001, 454) veröffentlicht worden ist.

454 Patienten, bei denen entweder die Hüfte ersetzt oder ein künstliches Kniegelenk eingesetzt worden ist, wurden während sechs Monaten nachbeobachtet. Die Patienten wurden in eine jüngere Gruppe im Alter von 59 bis 79 Jahre und eine ältere Gruppe von 80 Jahren (n = 69) und mehr eingeteilt.
Beurteilt wurden dann Schmerz, Funktion und Lebensqualität mit dem Western Ontario and McMaster Universities (WOMAC)-Index.
Es stellte sich heraus, dass es keine Unterschiede in beiden Gruppen bei den Schmerzen am Gelenk, der Funktion oder der Parameter für die Lebensqualität gab.

Allerdings erhielten die älteren Patienten nach dem Eingriff häufiger als die jungen eine Rehabilitation. Nach sechs Monaten war dieser Unterschied wieder aufgehoben.

Die Forscher schließen aus ihrer Untersuchung, dass das hohe Alter eines Patienten alleine kein Grund sei, einen Hüftersatz hinauszuschieben. Wie Zacher im Gespräch mit der "Ärzte Zeitung" weiter erläutert hat, bedeutet der Hüftersatz für einen jüngeren Patienten, wieder ins Arbeitsleben zurückzukehren. Für einen älteren Menschen ist der Erhalt der Selbstständigkeit mindestens genauso hoch einzuschätzen, so der Orthopäde. Problematisch sei jedoch nach wie vor der Hüftersatz nach einer Fraktur.

"Die Mortalität bei Implantantion einer Endoprothese nach Fraktur ist im Vergleich zu Arthrose-Patienten erhöht", so Zacher. "Ist die Indikation aber eine Arthrose, dann gibt es auch keine Unterschiede zwischen 60- und 80-Jährigen bei der Hüftoperation und den daraus resultierenden Ergebnissen."
Für eine Altersobergrenze beim Hüftersatz - wie in den Niederlanden oder Großbritannien üblich - gebe es keine medizinischen Gründe, so Zacher. Von den 140 000 Patienten jährlich, die bei uns eine neue Hüfte erhalten, sind 70 Prozent älter als 65 Jahre.

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