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Innere Medizin 3. Juni 2014

Blutdruck selbst messen

Verlässlichere Werte, wenn nicht der Arzt misst – und die Folgen für die Zielwerterreichung

Nur 30 Prozent der behandelten Hypertoniepatienten erreichen internationalen Untersuchungen zufolge eine zufriedenstellende Blutdruckkontrolle. Unzureichende Blutdruckkontrolle und mangelhafte Therapietreue sind zwei der häufigsten Gründe für das problematische Therapiemanagement von Bluthochdruckpatienten. Dies trifft besonders auf Patienten mit hohem Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse zu.

Zahlreiche Hinweise deuten darauf hin, dass die regelmäßige Selbstmessung des Blutdrucks durch den Patienten und die Übermittlung der Werte mittels Telemonitoring die Wahrscheinlichkeit erhöht, die angestrebten Blutdruckwerte zu erzielen und die Therapietreue des Patienten zu erhöhen. Die konventionelle, vom Arzt durchgeführte Blutdruckmessung birgt mehrere Fehlerquellen.

Viele Faktoren beeinflussen die Genauigkeit der Blutdruckmessung wie das „Weißkittelsyndrom“, bei dem der Blutdruck des Patienten schon beim Anblick des Arztes in die Höhe schnellt, oder die mangelhaften Rahmenbedingungen, wie ungenügend Ruhezeit vor der Messung, oder die Berücksichtigung der variablen Werte im Tagesverlauf und je nach Situation.

Ein bekanntes Phänomen: Die „Weißkittelhypertonie“

Man schätzt, dass ein Drittel der Hypertoniker gar keinen „richtigen“ Bluthochdruck haben, sondern eben eine „Weißkittelhypertonie“. Diese liegt dann vor, wenn die Werte die Schwelle zum Bluthochdruck überschreiten. Mithilfe einer ambulanten Langzeitblutdruckmessung lässt sich dieses Phänomen entlarven. Vielleicht kann man ihm aber schon vorher auf die Spur kommen – indem nämlich nicht der Arzt, sondern jemand anderer misst. Wie groß der Unterschied sein kann, wenn schon eine Krankenschwester anstelle eines Arztes den Blutdruck misst, konnte nun zum ersten Mal in einer Metaanalyse quantifiziert werden. Insgesamt 15 Studien wurden dafür analysiert. Bei allen wurde der Blutdruck der Teilnehmer (insgesamt 1019) beim selben Klinikbesuch jeweils von einem Arzt und einer Krankenschwester gemessen. Wenn ein Arzt die Manschette um den Arm legte, war der Blutdruck der Personen im Schnitt um 7/4 mmHg signifikant höher im Vergleich zur Messung, welche die Krankenschwester durchgeführt hatte.

Weniger „künstliche“ Aufregung durch einen Nicht-Arzt

Ein Ergebnis, das durchaus Konsequenzen für die klinische Praxis haben könne, meinen die Autoren. Vielleicht sollte also besser jemand anderer als ein Arzt den Blutdruck messen, wenn es darum geht, eine Hypertonie zu diagnostizieren und die Entscheidung antihypertensive Therapie Ja/Nein ansteht. Nach Ansicht der Studienautoren unterstützen ihre Ergebnisse diese These.

Es stehe außer Frage, dass Ärzte den Blutdruck ihrer Patienten weiterhin bei Routine-Untersuchungen überprüfen und beurteilen sollten, betonen die Autoren. Auch könne das Weißkittelphänomen nicht völlig ausgeschlossen werden, wenn eine Krankenschwester den Blutdruck misst. Doch vielleicht wäre es sinnvoller, den Blutdruck in der Klinik noch von jemand anderem als einem Arzt messen zu lassen, ehe man eine ambulante Langzeit-Blutdruckmessung einleitet. So ließen sich vielleicht Überdiagnosen und unangebrachte Therapien noch besser vermeiden.

Mithilfe moderner Kommunikationstechnologien gewinnt die Selbstmessung des Blutdrucks mit anschließender Übertragung an eine Auswertungsstelle zunehmend an Bedeutung. Die Selbstmessung daheim wird mit einer Reihe von Vorteilen für den Patienten, das Therapiemanagement und die Nutzung der begrenzten Ressourcen verbunden. Die gewohnte Umgebung führt zu weniger störenden Einflüssen, die Messung daheim erspart viele Arzt- oder Klinikbesuche zur Kontrolle, ermöglicht aber bei wahrgenommenen Problemen gezielte Konsultationen und schließlich gewinnt der Patient durch das Gefühl, die Dinge selbst kontrollieren und steuern zu können, Selbstvertrauen und übernimmt Selbstverantwortung.

Selbstmessung fördert Patientenbeteiligung

Eine Metastudie von Untersuchungen zur Selbstmessung aus einem Zeitraum von 2010 bis 2013, die sich mit der Rolle der Selbstmessung des Blutdrucks im Management von Bluthochdruckpatienten beschäftigen, kommt zum Schluss, dass die Selbstmessung die Patientenbeteiligung fördert. Mit der Unterstützung von qualifizierten Pflegekräften und klinischen Pharmazeuten können Hypertoniker erfolgreich angeleitet werden, um den Blutdruck zu kontrollieren. Der Erfolg liegt im Teamwork: Während der Arzt die Medikamente verschreibt, ist die Pflegeperson für Verhaltens- und Schulungsmaßnahmen speziell ausgebildet und der Pharmazeut berät hinsichtlich medikationsrelevantem Verhalten, Nebenwirkungsmanagement und motiviert zur Einnahmetreue.

Eine aktuelle Studie – TELEBPMET Study – wird nun den Zusammenhang zwischen der Blutdruck-Selbstmessung mit Telemonitoring und psychologischen Faktoren der Therapietreue bei Patienten mit metabolischem Syndrom untersuchen.

Quelle: springermedizin.de, Apotheker Plus 5/2014

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