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© Albertinen-Krankenhaus Hamburg, www.sonographiebilder.de
Zufallsbefund Pankreaszyste: Hier eine benigne kongenitale Zyste.
 
Innere Medizin 3. Juni 2014

Ruhe bewahren

Keine Hektik bei kleinen Pankreaszysten: MRT-Kontrollen alle zwei Jahre reichen.

Auch wenn die Sorge vor einem übersehenen Pankreaskarzinom immer mitschwingt: Bei blanden, zufällig entdeckten Pankreaszysten kleiner zwei Zentimeter kann man sich entspannen.

Was tun bei zufällig entdeckten, asymptomatischen Pankreaszysten? Jeder Arzt wird bei solchen Befunden zumindest im Hinterkopf auch die Differenzialdiagnose Pankreaskarzinom haben. Wie aufwändig soll also weiter diagnostiziert, wie häufig kontrolliert werden? Zumindest bei blanden Zysten, die kleiner als 2 cm im Durchmesser sind, kann man offenbar zunächst Ruhe bewahren.

Unklarer Krankheitswert

Pankreaskarzinome gehören nach wie vor zu den malignen Tumoren mit sehr ungünstiger Prognose, da will niemand die Chance auf eine frühe Diagnose verpassen. Aber eine Überdiagnostik aus Unsicherheit kann auch nicht das Ziel sein. Zudem gibt es aufgrund immer weiter verbesserter bildgebender Verfahren wie hochauflösendem Ultraschall zunehmend Zufallsbefunde, deren Krankheitswert mitunter unklar bleibt.

Aus diesem Grund haben Radiologen aus zwei Zentren in Frankreich und Kanada in einer Studie untersucht, wie sich solche zufällig entdeckten blanden Pankreaszysten im Verlauf entwickeln. 301 Patienten (144 Männer, 157 Frauen, mittleres Alter: 64 Jahre) wurden in die Studie aufgenommen. Bei ihnen waren insgesamt 1.174 Zysten zufällig bei CT- oder MRT-Untersuchungen entdeckt worden, bei denen es primär nicht ums Pankreas ging.

Ausgeschlossen aus der Studie wurden Patienten mit chronischer Pankreatitis und Patienten mit Zysten, bei denen initial der Verdacht auf ein Pankreasmalignom bestand.

Patienten, die zuvor noch kein MRT hatten, erhielten als Ausgangsuntersuchung ein standardisiertes MRT ohne und mit Gadolinium als Kontrastmittel. In den Follow-up-Untersuchungen erhielten alle Patienten Standard-MRT ohne und mit Kontrastmittel.

Die Beobachtungsdauer in der Studie war im Mittel 45 Monate (14 bis 180 Monate). Follow-up-MRTs wurden in der Regel jährlich gemacht. Alle MRTs wurden auch von den Ärzten des jeweils anderen teilnehmenden Zentrums begutachtet, und zwar ohne die Erstbefundung zu kennen.

Geprüft wurden unter anderem Größenzunahme im Follow-up, Veränderungen der Wand (Verdickung?), Zysteninhalt (mucinös? hämorrhagisch?) und eventueller solide Anteile im angrenzenden Pankreasgewebe. Die wichtigsten Ergebnisse der Studie:

• Keine der 217 Zysten mit einem Durchmesser unter 2 cm veränderte sich im ersten Jahr; nur zwei Zysten hatten sich nach zwei Jahren verändert.

• Nur 35 Zysten (3 %) bei 35 Patienten (12 %)) zeigten signifikante Änderungen im Verlauf, etwa signifikante Größenzunahme oder Konsistenzveränderungen.

• Keine der Zysten, die nur durch Größenzunahme auffielen, entwickelte ein Karzinom.

• Bei fünf Zysten, bei denen im Follow-up neue knotige Veränderungen in der Zystenwand auffielen, wurde ein Malignom histopathologisch diagnostiziert. Zu diesem Zeitpunkt hatte zwei der betroffenen Patienten bereits Symptome.

• MRT mit Gadolinium brachte keine diagnostischen Vorteile.

Daraus folgern die Studienautoren, dass bei zufällig mit CT oder MRT entdeckten blanden Pankreaszysten mit einem Zystendurchmesser unter 2 cm in der MRT eine Kontroll-MRT ohne Kontrastmittel nach zwei Jahren ausreicht.

Entsprechend könnte man für die Praxis daraus ableiten, dass auch zufällig mittels Ultraschall entdeckte blande Pankreaszysten einmal mittels MRT beurteilt werden und dann unter anderem entsprechend ihrer Größe eben nur alle zwei Jahre erneut in der MRT kontrolliert werden.

Konträre Empfehlungen

In Deutschland gibt es keine Leitlinien-Empfehlungen zur Verlaufsbeobachtung bei blanden, zufällig gefundenen Pankreaszysten. In den USA gibt es zwei konträre Leitlinien-Empfehlungen:

Die US-amerikanische Radiologengesellschaft ACR (American College of Radiologie) empfiehlt keine weiteren Kontrollen bei Zysten, die kleiner als 2 cm im Durchmesser und ein Jahr nach ihrer Entdeckung unverändert sind.

Dagegen empfiehlt die International Association of Pancreatology (IAP) auch solche kleinen stabilen Zysten regelmäßig und immer wieder zu kontrollieren.

Originalpublikation: Nougaret S et al.: Eur Radiol 2014; 24: 1030–38

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2014

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