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Die tägliche Kalziumtablette scheint vor Herzinfarkt zu schützen.
 
Innere Medizin 3. Juni 2014

Keine Gefahr für das Herz

Kalziumsupplementation erhöht das kardiovaskuläre Risiko nicht.

Einige frühere Studien schürten den Verdacht, dass die Kalziumsubstitution das kardiovaskuläre Risiko erhöhen könnte. Eine Langzeitstudie hat diese Befürchtungen jetzt entkräftet. Mit Supplementation gab es sogar weniger Infarkte als ohne.

In einer prospektiven Kohortenstudie über 24 Jahre zeigte sich bei Frauen, die Kalzium supplementierten, kein höheres kardiovaskuläres Risiko im Vergleich zu Frauen ohne diese Nahrungsergänzung. Die Herzinfarktrate war in der Gruppe der Supplementiererinnen sogar niedriger als in der Vergleichsgruppe ohne zusätzliche Kalziumzufuhr.

Die Kuopio Osteoporosis Risk Faktor and Prevention Study, die schwedische Mammografie-Kohorte sowie die Studie EPIC-Heidelberg hatten Vermutungen aufkommen lassen, dass die Kalziumsupplementation die Gefäßverkalkung beschleunigen könnte und damit möglicherweise das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen (CVD) erhöht. Diesen Verdacht konnten Julie Paik vom Brigham and Women’s Hospital in Boston und Kollegen mit den Daten von 74.245 Frauen der Nurses‘ Health Study (NHS) aus den Jahren 1984 bis 2008 ausräumen.

Mittels Fragebogen waren die Probandinnen mehrfach zu ihren Substitutions- und sonstigen Lebensgewohnheiten im vorausgehenden Jahr befragt worden. Studienendpunkte waren ein tödlicher oder nicht-tödlicher Herzinfarkt bzw. ein Schlaganfall.

Mit Supplementation weniger Infarkte als ohne

Innerhalb von 24 Jahren erlitten 2.709 zu Studienbeginn gesunde Probandinnen einen Infarkt (2.151 nicht-tödliche, 558 tödliche) und 1.856 einen Schlaganfall (1.449 ischämische und 407 hämorrhagische). Zwar lebten Frauen, die Kalzium supplementierten, insgesamt gesünder, doch auch nach Berücksichtigung von Alter, BMI, diätetischem Kalzium und Vitamin-D-Zufuhr sowie weiterer CVD-Risikofaktoren lag das relative Risiko für eine kardiovaskuläre Erkrankung bei Frauen, die mehr als 1.000 mg Kalzium pro Tag einnahmen, sogar 18 Prozent unter dem von Frauen ohne Supplementation.

Selbst wenn Kalzium über viele Jahre supplementiert wurde, hatte dies keinen negativen Einfluss auf das CVD-Risiko. In Subgruppenanalysen war die Kalziumeinnahme auch bei Nichtraucherinnen, Frauen, die regelmäßig Sport trieben, oder Probandinnen, die nicht an Hypertonie oder Cholesterinämie litten, mit einem geringeren kardiovaskulären Risiko assoziiert.

Weniger KHK-Ereignisse, gleich viele Schlaganfälle

Einzeln betrachtet ereigneten sich in der Gruppe der Substituierenden 29 Prozent weniger KHK-Ereignisse. Auch bei der Schlaganfallrate zeichnete sich kein erhöhtes Risiko durch die Kalziumzufuhr ab. Die Quote lag auf ähnlichem Niveau wie die der Frauen ohne Kalziumzufuhr (relatives Risiko RR 1,03).

Um jedoch entsprechende Empfehlungen aussprechen zu können – so die Autoren – müsse der Zusammenhang zwischen kardiovaskulärem Risiko und Kalziumsupplementation in weiteren Kohortenstudien sowie in randomisierten, kontrollierten Studien untersucht werden.

 

Originalpublikation: Paik JM et al.: Calcium supplement intake and risk of cardiovascular disease in women; Osteoporos Int 2014; online 7. Mai

springermedizin.de, Ärzte Woche 23/2014

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