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Innere Medizin 30. Juni 2005

Knorpel wird passgenau implantiert

Ein Navigationssystem soll Ärzten dabei helfen, bei der autologen Chondrozytentransplantation (ACT) am Knie die Implantate bedarfsgerechter als bisher zu machen. An der Unfallklinik in Tübingen wird die neue Methode erprobt.

Die ACT setzen Orthopäden vor allem zur Behebung großflächiger Knorpeldefekte nach Unfällen ein. Es gibt Verfahren, bei denen das Transplantat mit einer Knochenhaut abgedeckt wird, und solche, bei denen das nicht erforderlich ist. Das neue Navigationssystem dient der Optimierung der modernsten Form der ACT, der arthroskopischen Implantation einer mit den eigenen Knorpelzellen des Patienten angereicherten Kollagenmatrix. Diese Zellen werden zuvor in einer ersten Arthroskopie aus gesunden Arealen entnommen und zwei bis drei Wochen lang unter Laborbedingungen herangezüchtet. Im gleichen Schritt wird in Tübingen seit neuestem ein elektronisches Tastsystem genutzt: Der Knorpeldefekt wird mit einem stift- ähnlichen, endoskopischen Instrument abgetastet. Aus den damit ermittelten Koordinatenpunkten errechnet ein Computerprogramm die exakte Größe des erforderlichen Kollagenimplantats. Es wird dann zurechtgeschnitten und mit den angezüchteten Knorpelzellen des Patienten angereichert.„Vorteile bringt das nicht so sehr bei der Breite und Länge, wohl aber bei der Dicke der Implantate“, wie Prof. Dr. Kuno Weise von der Berufsgenossenschaftlichen Unfall-klinik Tübingen erläuterte. Denn Implantate, die versehentlich zu dick geraten, erhöhten die Gefahr einer späteren Arthrose, so Weise. Stellt sich erst während des Eingriffs heraus, dass ein Implantat zu dick ist, gibt es kaum noch Spielräume. Weder kann die Knochenhaut unter dem Defekt abgetragen werden, noch eignet sich das frische Implantat zum Abfräsen, wie es bei Patienten mit noch gesundem Knorpel möglich ist.

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