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Innere Medizin 30. Juni 2005

Schonender Hüftersatz lässt Patienten gleich wieder gehen

Der ambulant durchführbare Eingriff mit kleinem Wundgebiet, geringem Blutverlust, kurzer Hospitalisierung sowie kurzen Rehabilitationszeiten lässt für die Zukunft hoffen.

Erfahrenste Orthopäden auf dem Gebiet der Endoprothetik lehnen die ambulante Implantation zwar noch ab, doch sind auch viele Kollegen davon überzeugt, dass der Standard der Hüft- und wohl auch Knieendoprothesen-Implantation bald minimal-invasiv sein wird.

Blutverluste stark reduziert

Diese Techniken, bei denen die Muskeln und Weichteile der Patienten erheblich weniger traumatisiert werden und die Blutverluste stark reduziert sind, sind in Deutschland bereits in Erprobung. Dadurch können die Hospitalisations- und Rehabilitationszeiten der Patienten deutlich verkürzt werden. Dies dürfte nicht nur Patienten, sondern auch die Kostenträger freuen. Mit der minimal-invasiven Zwei-Inzisionstechnik liegen bereits Erfahrungen an 130 Patienten vor. Dabei erfolgt der Einbau der Hüftpfanne über einen etwa fünf Zentimeter langen ventralen Hautschnitt in der Leistengegend. Der Hüftschaft wird über einen zweiten kleinen Schnitt etwa drei Querfinger proximal des Trochanter major implantiert. Da keine Muskeln mehr durchtrennt werden, liegt der Blutverlust im Durchschnitt bei weniger als 300 Milliliter pro Eingriff. Daher sind auch die kosten- und arbeitsaufwändigen Eigenblutspenden für minimal-invasiv geplante Eingriffe nicht mehr notwendig und es ist auch hinfällig, wie bislang üblich, stets mehrere Erythrozyten-Konzentrate pro Patient zur Infusion postoperativ bereit zu halten.
Eine andere Technik wurde an der Orthopädisch-Chirurgischen Klinik in München ( OCM) entwickelt. Dabei erfolgt lediglich ein einziger, sechs bis acht Zentimeter langer Schnitt im anterolateralen Oberschenkelbereich. Auch hierbei werde kein Muskel durchtrennt und der Blutverlust sei sehr gering. Noch im Aufwachraum stehen die Patienten erstmalig auf. 320 Patienten sind bislang auf diese Weise operiert worden, die meisten können unmittelbar nach der Operation ohne Seithinken gehen.

Reduzierte Strahlenbelastung

Im Unterschied zur Zweischnitt-Technik ist beim OCM-Zugang keine intraoperative Bildwandler-Kontrolle nötig, wodurch die Strahlenbelastung reduziert werden kann. Natürlich gibt es auch Nachteile der neuen Techniken. So hat der Operateur eine nur noch eingeschränkte Sicht auf das Operationsfeld. Zudem müssen sich die Orthopäden an die neue Sicht auf die Anatomie des Patienten erst gewöhnen – von der guten räumlichen Orientierung des Operateurs hängt letztlich die exakte Positionierung der Prothesen-Komponenten ab. Hilfreich könnten daher bereits etablierte Navigationssysteme sein, die als drittes Auge des Operateurs fungieren. Dazu wird im Operationssaal eine spezielle Infrarot-Kamera aufgestellt, an Becken und Bein des Patienten werden Infrarot-Antennen (Tracker) befestigt. Ein Computer errechnet aus den Kameradaten die Beinachse des Patienten. Da auch die Instrumente vom Kamerasystem erkannt werden, ermöglicht das Navigationssystem dem Operateur die exakte Präparation des Implantationsbettes für die Prothese sowie ihre millimetergenaue Positionierung. Entscheidend für Patienten ist neben der schnellen Rehabilitation aber vor allem die lange Standzeit einer Prothese. Diese Daten werden für die neuen Techniken erst in einigen Jahren vorliegen. Der Trend in Richtung minimal-invasive Operation zeichnet sich aber schon jetzt deutlich ab.

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