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Innere Medizin 30. Juni 2005

Die Wirbelsäule braucht Abwechslung

Der negative Einfluss des Alltags auf unseren Gelenk- und Stützapparat wird immer wieder unterschätzt. 80 Prozent aller Menschen leiden mindestens einmal im Leben an Kreuzschmerzen.

Erkrankungen des Gelenk- und Stützapparates sind der häufigste Grund für Krankenstände und Frühpensionierungen. US-Zahlen belegen jährliche Kosten von umgerechnet rund 40 Milliarden Euro durch Beschwerden dieses Formenkreises. Tatsächlich sind Haltung und Funktion der Wirbelsäule untrennbar miteinander verbunden. Zumal der Mensch nicht zum Sitzen „konstruiert“ ist, insbesondere nicht auf Sesseln. Fehlverhalten wie langes Sitzen oder Stehen in gebückter Haltung sowie wiederholtes Beugen oder Drehen des Körpers führen zu entsprechenden Schäden. Der Kern der Bandscheiben wird an den Rand gedrängt. Je länger die Fehlhaltung anhält, desto langsamer wandert er zurück, Faserring und Gallertkern reißen, schließlich kommt es zum Bandscheibenvorfall. Jeder zweite Patient leidet bereits ohne Vorfall an Rückenschmerzen. Zusätzlich wird durch Fehlhaltungen die Position und Funktion innerer Organe wie Darm und Atmung beeinträchtigt.„Schlechte Haltung“ ist definitiv eine Volkskrankheit. „2002 war bereits jedes dritte Schulkind davon betroffen“, erklärt Prim. Dr. Christine Prager, Leiterin des In­stitutes für Physikalische Medizin und Rehabilitation im Wiener Donauspital. „Die häufigsten Beispiele sind: Hohlkreuz, Rundrücken, Überstreckung von Kopf und Nacken oder nach vorne gezogene Schultern.“ Unterstützt wird das durch „zivilisatorische“ Schwäche von Bauch-, Hüft- und Beinmuskeln, die somit die natürlichen Krümmungen der Wirbelsäule nicht unterstützen können.

Gerade stehen und sitzen

„Steh gerade!“ war ein beliebter Spruch unserer Großmütter und ist heute wichtiger denn je. „Gerades Sitzen“ ist schon wesentlich schwieriger, da Sessel dies vielfach nicht ermöglichen. Gerade deshalb sollte darauf schon von Kindheit an großes Augenmerk gelegt werden. In der Praxis empfiehlt es sich, unterschiedliche Sitzgelegenheiten zu nützen, um eine stereotype Fehlposition zu durchbrechen. Sitzen will „gelernt“ sein: Becken nach vorne geneigt – Brustkorbhebung – Rückenmuskeln strecken den Oberkörper – der Nacken wird lang gemacht, das Kinn nähert sich der Halswirbelsäule – beide Füße stehen fest am Boden.

Präventionsmöglichkeiten

Die Haltung lässt sich im Stehen überprüfen: Rücken an eine Wand lehnen, Schultern und Gesäß haben Kontakt zur Wand – Füße hüftbreit auseinander, Beine nicht ganz durchstrecken – Hand zwischen Lendenwirbelsäule und Wand schieben, dann durch leichtes Kippen des Beckens an die Wand drücken – Kopf zurücknehmen und strecken, bis er die Wand berührt, Kinn einziehen.Lasten sollten mit gestrecktem Rücken und gebeugten Hüften gehoben werden. Beim Tragen gelten „Gewichtsbeschränkungen“ für Männer von 25 Kilogramm und Frauen von acht Kilogramm.

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