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Innere Medizin 11. Juli 2005

Anstieg von resistenten Tuberkulose-Erregern

Mit jährlich 2,5 Millionen Todesfällen und neun Millionen Neuerkrankungen verursacht Tuberkulose neben AIDS die meisten Opfer unter den Infektionskrankheiten. Bereits 50 Millionen Menschen sind weltweit mit multiresistenten Stämmen infiziert und jährlich erkranken 300.000 an dieser Form, die mit herkömmlichen Mitteln nicht mehr behandelt werden kann. In Deutschland wird an der Herstellung eines neuen Vakzins gearbeitet.

Die Tuberkulose (TBC) ist nach Erkenntnissen der Deutschen Lepra- und Tuberkulosehilfe vor allem in armen Ländern weiter auf dem Vormarsch. Die Ausbreitung von Aids und wachsende Armut hätten die TBC zu einer der gefährlichsten Infektionskrankheiten gemacht. Fast jede Sekunde stecke sich weltweit ein Mensch mit Tuberkulose an, sagte der Geschäftsführer des Hilfswerks, Jürgen Hammelehle, in einem Gespräch in Würzburg anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages. „Wir können die Ausbreitung nur unter Kontrolle bringen, wenn wir die Übertragung unterbinden. Deshalb müssen wir die Kranken finden", betonte Hammelehle. Schon nach der ersten Einnahme von Medikamenten sinkt die Ansteckungsgefahr rapide.

Allerdings werde derzeit nur rund ein Drittel aller neu Erkrankten behandelt. Viele wüssten nicht, dass sie sich angesteckt haben oder würden falsch behandelt. Deshalb sei Aufklärung wichtig. „In manchen Dörfern Indiens oder Afrikas fährt ein Lautsprecherwagen herum, um die Menschen zu informieren und ihnen zu sagen, dass die Krankheit heilbar ist und die Medikamente kostenlos sind." Als Partner der STOP-TB-Initative der WHO sei es auch das Ziel des Hilfswerks, bis 2005 etwa 70 Prozent der TB-Kranken zu finden und zu behandeln. Anlässlich des Welt-Tuberkulose-Tages wurden Daten veröffentlicht, die für Beachtung sorgten. Im vergangenen Jahr wurden in Österreich mehr Tuberkulosefälle festgestellt, bei denen die Erreger gegen die beiden am häufigsten verwendeten Arzneimittel resistent waren. Darauf weist die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) hin. Der Zuwachs war allerdings auf „importierte" Erkrankungen aus Osteuropa zurückzuführen, erklärte Dr. Alexander Indra von der AGES.

Insgesamt hat in den vergangenen Jahren die Zahl der Tuberkulose-Erkrankungen in Österreich weiter abgenommen. Waren es 1998 noch 1.364 gewesen, sank diese Zahl bis 2002 auf 1.079. Rund 70 Prozent dieser Fälle sind österreichische Staatsbürger. Indra: „Hier sind vor allem ältere Erwachsene ab 55 Jahren stärker vertreten." Die WHO hat bereits vor Tagen vor der Ausbreitung von gegen die herkömmlichen Arzneimitteln resistenten TB-Erkrankungen gewarnt. Der Krankheit fallen jedes Jahr weltweit rund zweieinhalb Millionen Menschen zum Opfer. Pro Jahr werden rund 300.000 Erkrankungen mit resistenten Mykobakterien registriert. 79 Prozent davon werden auf Super-Erregerstämme zurückgeführt, die sogar auf drei oder mehr der Arzneimittel nicht mehr ansprechen. In Krisengebieten wie Estland, Kasachstan, Litauen, Lettland sowie Teilen der Russischen Föderation sind laut WHO vierzehn Prozent der TB-Patienten mit solchen Keimen infiziert.

Importierte Tuberkulose-Fälle

Auch Österreich ist von dieser Entwicklung nicht ganz verschont geblieben. So wurden 1998 sechs multiresistente Erkrankungen registriert, im Jahr 2002 waren es zwei und im Jahr 2003 schließlich dreizehn. Während seit 1998 die Zahl der österreichischen Staatsbürger, die solche Erkrankungen aufwiesen, immer zwischen einem und zwei Fällen schwankte, gab es im Jahr 2003 plötzlich elf derartige Infektionen bei Patienten ohne österreichische Staatsbürgerschaft. „Als multiresistent wird eine Tuberkulose-Erkrankung definiert, die auf die beiden am meisten verwendeten Medikamente Isoniazid und Rifampicin nicht anspricht. Die meisten der resistenten TB-Fälle wurden vergangenes Jahr nach Österreich nicht aus den EU-Erweiterungsländern, sondern aus Russland importiert", so Indra. Anlässlich der großen Zahl an multiresistenten Neuerkrankungen will ein Konsortium aus Unternehmen und Forschungszentren jetzt ein neues Vakzin erproben, dessen vielversprechende Grundlage unter der Leitung von Stefan Kaufmann am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie entwickelt wurde.

„Bei der Tuberkulose-Schutzimpfung setzen wir auf gentechnisch veränderte Varianten des seit 1921 eingesetzten Lebendimpfstoffes Bacille-Calmtte-Guerin (BCG). Dieser besteht aus abgeschwächten Bakterien, die sehr eng mit dem TB-Erreger Mycobacterium tuberculosis verwandt sind. BCG hat sich in der Vergangenheit zwar als sehr sicher, aber leider wenig wirksam erwiesen", erklärt Kaufmann, Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie. Vermutlich ist der Schutz der TB-Impfung so gering, weil die BCG-Bakterien nach einer Impfung von Fresszellen in so genannten Phagosomen eingeschlossen werden. Die Berliner Wissenschaftler haben daher den BCG-Bakterien ein Protein eingebaut. „Damit sollen die neuen BCG-Varianten die Hülle der Phagosomen durchlöchern und so dem Immunsystem besser zugänglich werden", so Leander Grode, Projekt Manager beim Vakzine Projekt Management und Miterfinder des Impfstoffes.

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