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Innere Medizin 11. November 2005

Komplikation: Katheter-assoziierte Sepsis

Katheter-assoziierte Infektionen stellen ein schwerwiegendes Problem der Intensivmedizin dar. Ursache sind vorwiegend multiresistente Hospitalkeime, die innerhalb von 12 Stunden nach Besiedelung auf der Katheteraußen- und der Katheterinnenseite einen dicken Biofilm bilden. Die gefährlichste Komplikation ist die Katheter-assoziierte Sepsis.

Kontaminationsquellen

Quelle der Kontamination kann die Eintrittspforte beim Legen des Katheters sein. Ab dem 4. - 5. Tag erfolgt die Katheterinfektion vorzugsweise vom Luer Lock (Ansatzstück) ausgehend intraluminal. Selten kommt es zur intraluminalen Infektion des Katheters durch eine kontaminierte Infusion bzw. Infusionsbesteck oder eine infizierte Bluttransfusion. Auch bei einer Sepsis und Bakteriämie aus einer anderen Quelle kann es zur Besiedelung des intravasalen Anteils des Katheters an der Außenseite kommen. Die Konsequenz sind ein höchst sorgfältiger Umgang mit dem Katheter bei jeder Manipulation. Zusätzlich zu maximalen sterilen Kautelen ist eine substantielle Verminderung Katheter-assoziierter Infektionen in erster Linie durch eine Materialmodifikation zu erzielen.

Der "Erlanger Silberkatheter Logicath plus" wurde zum Zwecke der Prävention Katheter-assoziierter Infektionen von einem Wissenschafterteam um Prof. Dr. Josef Peter Guggenbichler, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten und präventive Medizin an der Universitätsklinik für Kinder und Jugendliche, in Erlangen-Nürnberg, entwickelt. Die antimikrobielle Wirksamkeit des "Erlanger Silberkatheters" beruht auf der oligodynamischen Aktivität von Silberionen.
 Erst eine große Oberfläche von metallischem Silber in Polyurethan (d. h. ab 0.4 m²/g Polyurethan), die man nur durch feine Verteilung von Nanopartikelchen von Silber zwischen den Polyurethanfasern erreichen kann, ist eine Freisetzung bakterizider Konzentrationen von Silberionen und antimikrobielle Wirksamkeit gegen ein breites Spektrum bakterieller Mikroorganismen und auch gegen Pilze zu erzielen. Ganz wesentlich ist auch die glatte, hydrophile Katheteroberfläche, die sowohl die Adhärenz von Mikroorganismen als auch von Thrombozyten erschwert.

Multizentrische Studie

Klinischer Bedarf besteht für intensivgepflegte Patienten einschließlich Säuglinge und Kleinkinder, die einen zentralvenösen Zugang benötigen: Der Katheter ist als 1-4 Lumenkatheter in verschiedenen Längen, mit unterschiedlicher Geometrie und unterschiedlichen Durchflussgeschwindigkeiten für Erwachsene und als 1, 2 und 3 Lumenkatheter für Säuglinge und Kleinkinder erhältlich.
Ein 8.5 French 18 G "highflow" Katheter steht zum raschen Flüssigkeits- und Elektrolytersatz sowie zur Kreislaufstabilisierung bei großen Blutverlusten zur Verfügung. Ebenso ist ein Einlumenkatheter als Nabelarterien- und Nabelvenenkatheter zur Infusionsbehandlung von Früh- und Neugeborenen verfügbar.

 detail Wirksamkeit, Verträglichkeit und Handling des "Erlanger Silberkatheters" wurden in einer randomisierten, multizentrischen Studie an 424 Patienten mit einer Liegedauer ³ 5 Tagen im Vergleich zu verschiedenen handelsüblichen Kathetern ohne antimikrobielle Ausstattung untersucht. Bei Kurzzeitkathetern konnte eine eindeutige Reduktion der Rate an Katheter-assoziierter Sepsis über insgesamt 2.551 Kathetertage um 59 Prozent nachgewiesen werden. Im Rahmen einer klinischen Doppelblindstudie an 51 Tumorpatienten mit Langzeitkathetern (Hickmankatheter) wurde über 5.900 Kathetertage keine Sepsis beobachtet.

Verbesserte Technologie

Es zeigte sich auch, dass das Material ebenso zur Herstellung von Shaldonkathetern zur Hämodialyse für die ersten 6-8 Wochen sowie für die Verwendung als Endotrachealtuben, Thoraxdrainagen und als Ventrikelableitungen geeignet ist. Auch Port-Katheter und Tenckhoffkatheter zur Peritonealdialyse können aus diesem Material hergestellt werden.

Durch Verbesserung der Technologie und Vergrößerung der aktiven Oberfläche auf 2 m² konnte noch eine wesentliche Steigerung der antimikrobiellen Wirksamkeit erzielt werden ohne Zunahme der lokalen oder systemischen Zytotoxizität oder Thrombogenität.
Durch die äußerst geringe Toxizität von Silber ist der neue Katheter gut gewebeverträglich und nicht zytotoxisch. Seine physikalischen Eigenschaften wie Knickstabilität, Dehnbarkeit und Reißfestigkeit entsprechen dem höchsten Standard. Der Katheter ist mit einer flexiblen Spitze (Flextip) versehen, was eine gute Gewebeverträglichkeit garantiert.

Dr. Myriam Hanna-Klinger, Ärzte Woche 28/2001

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