zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Erfahrung einer Dermatologin mit Rhabdomyolyse

Ärztinnen und Ärzte müssen gleichzeitig Manager sein. Sie sollen die Flut von PatientInnen fachlich und menschlich bestens bewältigen, ein vertrauensvolles Milieu schaffen, genug Zeit haben, jeden Patienten auf alle Fälle individuell und mit Hingabe behandeln, ihr Bestes geben und gute Medikamente verschreiben.
So kann es - aufgrund organisatorischer Probleme oder wegen Zeitmangels - zu fatalen Folgen kommen, wenn man mit Interaktionen diverser Medikamente nicht vertraut ist.

Ich appelliere aber auch an alle PatientInnen: Es soll ein Gespräch zwischen Arzt und Patient am "Runden Tisch" sein; es ist ihr Körper, ihre Gesundheit, sie tragen Mitverantwortung und sollen dem behandelnden Arzt zwar vertrauen, aber nicht "blind". PatientInnen sollten alles hinterfragen, was ihre Gesundheit, ihren Körper betrifft.

Sie sollten sich nicht scheuen, über Wirkung und Nebenwirkungen der verschriebenen Medikamente nachzufragen. Nur durch dieses Miteinander könnten schwerwiegende Nebenwirkungen, manchmal sogar mit tödlichem Ausgang, verhindert werden. Durch mehr Eigenverantwortung gewinnen PatientInnen auch mehr Zuversicht.

Grund für dieses Schreiben war folgende Begebenheit in meiner Ordination: Eine äußerst lebensbejahende, fröhliche, 54-jährige Patientin erzählte mir, im Laufe dieses Jahres eine Lungentransplantation sehr gut hinter sich gebracht zu haben. Ihr wurde empfohlen, sich wegen "Kleinigkeiten" in der "Provinz" anschauen zu lassen, wegen "größerer" Angelegenheiten solle sie in der Uniklinik vorstellig werden.

Als Fachärztin für Dermatologie begutachtete ich diverse "Hautkleinigkeiten", konnte die Dame beruhigen, dass alles in bester Ordnung sei. Für den Fall, dass ich ihr ein Medikament verordnen müsste, merkte ich an, dass sie mich dann darüber informieren sollte, welche Arzneimittel sie bereits einnimmt. Dies war eine relativ hohe Menge an Tabletten, wozu sie lächelnd meinte, sie sehe dies alles positiv und hätte kein Problem damit. "Hut ab", dachte ich mir.

Nach dem Durchsehen der Medikamentenliste fragte ich die Patientin, ob sie an Muskelschmerzen leide. Sie bejahte, bewertete es aber nicht über die Maßen. Gemeinsam - am "Runden Tisch" - gingen wir alle Medikamente durch und folgendes stellte sich heraus: Bei Patienten, die nach einer Organtransplantation Lovastatin nehmen und hohe Dosen von Ciclosporin erhalten, ist die Gefahr seltener schwerwiegender Nebenwirkungen in Form von Myopathie und Rhabdomyolyse mit Nierenversagen erhöht.

Die Symptome sind aus der Literatur bekannt: Muskelschmerzen, Muskelschwäche sowie eine massiv erhöhte Creatinkinase-Aktivität (10- bis 100- fach und mehr). Auch für die Kombination von Lasix und Aprednisolon - ebenfalls auf der Liste der Patientin - ist ebenso Muskelschwäche und Hyporeflexie beschrieben, allerdings durch die Gefahr der Entstehung einer Hypokaliämie.

Nicht mehr so frohen Mutes, dennoch dankbar, gemeinsam über Wechselwirkungen gesprochen zu haben und noch rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen zu können, verabschiedeten wir uns. Tags darauf telefonierte ich mit der Patientin, um mich zu erkundigen, ob sie schon Schritte zu Gegenmaßnahmen unternommen hat. Sie berichtete mir, bereits einen Termin an der Uniklinik vereinbart zu haben, und war überzeugt, dass "alles gut werden würde".

Dr. Adelheid Stöger, Ärzte Woche 32/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben