zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 20. Oktober 2005

Prostatakarzinom: Watchful waiting versus früher Therapiebeginn (Teil 5)

Mit dem PSA-Faktor steht den Urologen seit einigen Jahren ein Tumormarker zur Verfügung, der das Prostatakarzinom schon in einem sehr frühen Stadium zu entdecken hilft. Dies führte allerdings zu heftigen Diskussionen darüber, wann – und in manchen Fällen ob – mit einer Therapie begonnen werden soll. Die aktualisierten Guidelines berücksichtigen schon eine Vielzahl von Patienten-Parametern.

Die Entdeckung des PSA-Markers erlaubt eine Früherkennung des Prostatakarzinoms, sollte aber nicht in jedem Fall eine radikale Prostatektomie nach sich ziehen. „Internationale Guidelines sagen klar, dass bei älteren, multimorbiden Patienten, deren Lebenserwartung unter 10 Jahren liegt und die einen gut oder mäßig differenzierten Tumor haben, eine radikale Prostatektomie nicht die Therapie der Wahl ist“, erläuterte Dr. Alan Horwich vom Krebsforschungsin­stitut im britischen Sutton anlässlich des ESMO-Kongresses 2004 in Wien. „In einem solchen Fall hat die Watchful Waiting-Strategie durchaus ihre Berechtigung“, sagte Horwich weiter.

OP mit Nebenwirkungen

Die radikale Prostatektomie hat sich vor allem bei schlecht und mäßig differenzierten Prostatatumoren als sinnvolle kurative Therapie erwiesen. Das zeigen die Ergebnisse der Surveillance, Epidemiology and End Results (SEER)-Datenbank. Diese verglich 24.000 Prostatakrebspatienten, die sich einer radikalen Prostataentfernung unterzogen, mit 20.000 Patienten, bei denen eine Watchful-Waiting-Strategie angewendet wurde. Allerdings zeigt diese Therapie nach wie vor unangenehme Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz. Eine prospektive Quality of Life-Studie, die in Rotterdam durchgeführt wurde, zeigte vor allem im Bereich der Potenz einschneidende Veränderungen nach der Operation: 82 Prozent der befragten Patienten hatten keine spontane Erektion mehr. 51 Prozent der Patienten gaben gelegentliches und 13 Prozent häufiges Harntröpfeln an, drei Prozent der Patienten hatten keine Kontrolle mehr über ihre Blasenfunktion. Einen Paradigmenwechsel stellten ForscherInnen im Rahmen des ESMO-Kongresses im Bereich der Therapie des metastasierten Prostatakarzinoms vor. Erstmals konnte mit einem Chemotherapeutikum ein signifikanter Überlebensvorteil gezeigt werden.
„Docetaxel bedeutet einen neuen Standard in der Therapie des hormonrefraktären metastasierten Prostatakarzinoms“, sagte der niederländische Onkologe Dr. Ronald de Wit vom Erasmus University Medical Center in Rotterdam. Die TAX 327-Studie, die am ESMO-Kongress vom Onkologen Dr. Mario Eisenberger vom Johns Hopkins Kimmel Cancer Center vorgestellt wurde, schloss 1.006 Patienten ein. Diese erhielten entweder Docetaxel oder Mitoxantron plus Prednison, die etablierte Standardtherapie. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Docetaxel-Patienten im Mittel 2,4 Monate länger lebten als die Mitoxantron-Patienten. Die SWOG-Studie, an der 770 Patienten teilnahmen, zeigte einen Anstieg der medianen Überlebensdauer von drei auf sechs Monate und einen PSA-Abfall um 85 Prozent. Docetaxel wurde Ende Oktober 2004 europaweit zur Therapie des hormonrefraktären metastasierenden Prostatakarzinoms zugelassen.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 44/2004

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben