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Innere Medizin 11. Juli 2005

Früherkennung des Bronchialkarzinoms

Das Bronchialkarzinom ist aufgrund seiner Häufigkeit, der Symptomarmut in den Frühstadien und der gerade in den Frühstadien sowohl kurativen Therapiemöglichkeit als auch besseren Prognose von großem Interesse für das Screening mittels Lungenröntgen, Sputumuntersuchungen und neuerdings „Low-Dose“ Spiral CT.

Die Inzidenz des Bronchialkarzinoms ist weltweit stark steigend. In mehr als 80 Prozent der Patienten liegt ein nichtkleinzelliges Karzinom vor. In den Stadien I und II und eventuell auch im Stadium IIIA des nichtkleinzelligen Bronchialkarzinoms erfolgt die Operation mit kurativer Intention.

Frühzeitige Diagnose

Die Prognose ist wesentlich günstiger in den Frühstadien, wobei die Fünf-Jahresüberlebensraten 60-70 Prozent im pathologischen Stadium I und 23 Prozent im pathologischen Stadium III betragen. Somit ist eine vermehrte Frühdiagnose entscheidend für eine Verbesserung der Gesamtprognose des nicht kleinzelligen Bronchialkarzinoms.
Die Risikopopulation besteht, wie Prof. Mag. Dr. Robert Pirker, Univ.-Klinik für Innere Medizin I, Wien, im Rahmen der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Innere Medizin im September 2003 in Graz berichtete, aus Rauchern und Ex-Rauchern. Eine Hochrisikopopulation ergibt sich bei zusätzlichem Vorhandensein einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung, einer positiven Familienanamnese oder einer Exposition gegenüber weiteren Karzinogenen.
Derzeit wird auch versucht, eine Hochrisikopopulation mittels Biomarker zu charakterisieren. In den Frühstadien verläuft das Bronchialkarzinom häufig asymptomatisch, was die frühzeitige Diagnose erschwert. Mögliche Symptome sind Husten, Änderung der Hustencharakteristik, Thoraxschmerzen, Heiserkeit, Pneumonie, Hämoptoe, Dyspnoe und Gewichtsverlust.
Für die Früherkennung stehen prinzipiell Sputum-Zytologie, Lungenröntgen, Thorax-CT und Bronchoskopie zur Verfügung. Sputumuntersuchungen erfordern einen erfahrenen Zytopathologen und führen zu einer bevorzugten Diagnose von zentral gelegenen Plattenepithelkarzinomen. Die Bronchoskopie eignet sich zum Nachweis vor allem von im zentralen Bronchialsystem lokalisierter Epithelveränderungen. Die Fluoreszenz-Bronchoskopie erlaubt einen noch besseren Nachweis bestimmter Veränderungen im Bronchialepithel.

Screening

„Das Bronchialkarzinom ist aufgrund seiner Häufigkeit, der Symptomarmut in den Frühstadien und der in den Frühstadien sowohl kurativen Therapiemöglichkeit als auch besseren Prognose von großem Interesse für das Screening mittels Lungenröntgen, Sputumuntersuchungen und neuerdings „Low-Dose-Spiral CT“. Pirker misst diesen Untersuchungsmethoden eine große Bedeutung zu, obwohl sie nur zum Teil die von einem idealen Screening-Test geforderten Eigenschaften erfüllen: einfach, nicht belastend und kostengünstig.

Biomarker

Im Bronchialepithel von Rauchern finden sich molekulare Änderungen (z.B. 3p-Allelverlust), die auch in Bronchialkarzinomen nachgewiesen werden und mit dem Zigarettenabusus korrelieren. Neben Allelverlusten sind Mutationen und Methylierungen bestimmter Gene in prämalignen Bronchialepithelveränderungen nachweisbar. Der Nachweis dieser molekularen Veränderungen in Sputumzellen oder im Bronchialepithel könnte in Zukunft zu einer Charakterisierung einer Hoch-Risikogruppe führen, die dann intensiven Screeninguntersuchungen und/oder Interventionsstrategien zugeführt werden könnte.
Die Früherkennung des Bronchialkarzinoms bleibt für Pirker weiterhin ein klinisch relevantes Problem. Randomisierte Screening-Studien an großen Fallzahlen werden die klinische Relevanz des Screenings hinsichtlich einer Mortalitätssenkung klären. Bis zum Vorliegen der Ergebnisse dieser Studien kann ein generelles Bronchialkarzinom-Screening nicht empfohlen werden.
„Es muss aber immer wieder auf die Primärprävention als oberstes Ziel in der Bekämpfung des Bronchialkarzinoms verwiesen werden. Möglichkeiten der Primärprävention sind Steigerung der Zigarettenpreise, Schutz vor Exposition am Arbeitsplatz und auf öffentlichen Plätzen, Regulierung der Rauchinhaltsstoffe, Information auf Packungen, Information der Bevölkerung, Bewusstseinsbildung, globales Werbeverbot, kein Sponsoring und internationale Zusammenarbeit hinsichtlich Forschung und Gesetzgebung“, so Pirker zum Abschluss seines Vortrages.

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