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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Individuelle Therapie des Mamma-Ca (Teil 3)

Nicht automatisch ist bei Brustkrebs-patientinnen nach Tumorentfernung eine adjuvante Chemotherapie oder Radiatio erforderlich.

Die Genexpressionsanalyse erlaubt jene Patientinnen zu eruieren, bei denen Chemotherapie sinnvoll ist. Dies würde nicht nur vielen Patientinnen eine belastende Behandlung, sondern auch Kosten für das Gesundheitssystem sparen helfen. Brustkrebs ist die häufigste maligne Tumorerkrankung bei Frauen. In Österreich erkrankt jede 9. Frau, weltweit werden jährlich 800.000 Frauen neu diagnostiziert. Die Mortalität der Erkrankung konnte allerdings in den vergangenen 20 Jahren deutlich gesenkt werden. „Der Grund dafür ist mit großer Wahrscheinlichkeit eine Kombination aus Verbesserungen der Therapie, dem Mammographiescreening und einer besseren Ausbildung der Onkologen“, erläuterte Dr. Joseph Ragaz, Direktor des Onkologieprogramms am Mc Gill University Center im kanadischen Montreal im Rahmen des ESMO-Kongresses (European Society of Medical Oncologists), der Ende Oktober in Wien stattfand.

Früherkennung ist alles

Mammographiescreenings für Frauen ab dem 45. Lebensjahr konnten in den USA die Brustkrebsmortalität seit 1990 um jährlich zwei Prozent senken. Mit dem Brustkrebsfrüherkennungsproramm in Wien „Die Klügere sieht nach“ konnte die Zahl der 50- bis 69-jährigen Frauen, die regelmäßig zur Mammographie gehen, von 50 auf 70 Prozent gesteigert werden. Ein österreichweites Mammographiescreening ist geplant. Neben der verbesserten Früherkennung haben schonende brusterhaltende Operationsmethoden sowie die adjuvante Chemo- beziehungsweise endokrine Therapie nach der Tumorresektion auch zur Verbesserung der Fünfjahresüberlebensrate beigetragen. Sie liegt heute in der industrialisierten Welt bei 70 Prozent.

Keine „Übertherapie“ mehr

Neben der Tumorentfernung, die heute in Österreich in spezialisierten Zentren wie etwa in Wien und Graz in über 80 Prozent der Fälle brusterhaltend durchgeführt wird, gehört die adjuvante Chemotherapie bei etwa 80 Prozent der Frauen, die keinen Lymphknotenbefall aufweisen, mittlerweile zur Standardbehandlung. Für den Onkologen Dr. John Foekens, Erasmus Medical Center in Rotterdam, bedeutet dies aber in vielen Fällen eine Übertherapie. „Deshalb ist es besonders wichtig, genau jene Patientinnen herauszufiltern, die tatsächlich ein hohes Rezidivrisiko haben und daher von einer adjuvanten Therapie profitieren“, sagte Foekens, der gemeinsam mit seinem Team die Signatur von 76 Genen gefunden hat, mit der Lymphknoten-negative Patientinnen mit hohem Rezidivrisiko, unabhängig von Alter, Größe und Grading des Tumors, erkannt werden können. „Mit der Signatur wurden mit einer über 90-prozentigen Sicherheit die Patientinnen erkannt, die auf lange Sicht gesehen Metastasen ausbilden würden“, erläuterte Foekens. Der Onkologe schätzt, dass rund 30 bis 40 Prozent jener Patientinnen, die heutzutage eine adjuvante Chemotherapie erhalten, diese Prozedur mit Hilfe der von ihm entwickelten Genexpressionsanalyse unter Umständen erspart bleiben könnte.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 42/2004

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