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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Therapeutischer Gentest bei Lungen-Ca (Teil 2)

Revolutionäre Errungenschaften gibt es in der Therapie des Bronchialkarzinoms. Genetische Tests prüfen das Ansprechen auf eine neue zytostatische Substanz.

Anlässlich des 29. Kongresses der „European Society of Medical Oncology“ Anfang November in Wien wurden die neuesten Therapieoptionen beim Lungenkarzinom vorgestellt. Rund 901.000 Neuerkrankungen werden jedes Jahr diagnostiziert und 810.000 Patienten sterben jährlich daran. Bei Frauen ist das Bronchialkarzinom die fünfhäufigste Krebserkrankung mit 337.000 neu diagnostizierten Fällen pro Jahr und 292.000 Todesopfern. Drei Viertel der Erkrankten leiden unter einem Non Small Cell Lung Cancer (NSCLC). Eine Tumorresektion ist nur in rund 20 Prozent der Fälle möglich. Chemo- und/oder Radiotherapie werden postoperativ oder als alleinige Therapiemaßnahme angewandt.„Die Prognosen sind allerdings nach wie vor schlecht, vor allem bei inoperablen Tumoren. In 25 Jahren hat sich die mediane Überlebensdauer gerade mal um fünf Monate verlängert“, sagte Prof. Dr. Guiseppe Giaccone von der klinischen Abteilung für Onkologie am Vrije Universiteit Medical Center in Amsterdam in der Educational Session „Non-Small Cell Lung Cancer“ im Rahmen des ESMO-Kongresses. Nur rund 10 Prozent der Erkrankten leben nach der Diagnose noch fünf Jahre lang.

Hoffnung in naher Zukunft

Verbessern könnte sich das mediane Überleben mit einem Impfstoff, der das Immunsystem stärkt und es dazu bringt, Lungekrebszellen anzugreifen und zu vernichten. Erste Phase-II-Studienergebnisse des kanadischen Onkologen Dr. Charles Butts vom Cross Cancer Institute in Edmonton, Kanada, an 171 PatientInnen mit fortgeschrittenem, inoperablen NSCLC zeigten eine Verlängerung der medianen Überlebensdauer nach der Therapie um mehr als vier Monate, von 13 auf 17,4 Monate. „Die Vakzine greift ein Glykoprotein-Molekül an, das auf entarteten Tumorzelloberflächen sitzt“, erläuterte Butts im Rahmen einer ESMO-Pressekonferenz. „Der Impfstoff lässt das Immunsystem das entartete Molekül erkennen und jene Zellen angreifen, die es tragen.“ Eine Phase-III-Studie soll 2005 feststellen, ob eine breitere Anwendung der Vakzine sinnvoll ist. Nur für eine kleine Gruppe von PatientInnen eignet sich das neue Chemotherapeutikum Gefitinib. Dieses Medikament gehört zu einer neuen Gruppe von Krebsmedikamenten, die den epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor (EGFR) hemmen. Wenn der EGFR sich an den epidermalen Wachstumsfaktor bindet, führt er zum Wachstum und zur Teilung der Krebszellen. Gefitinib stoppt diesen Vorgang. Dieses Zytostatikum wirkt allerdings nur bei jenen PatientInnen zufriedenstellend, die im Inneren ihrer Krebszellen hohe Genkonzentrationen für EGFR und einen weiteren Rezeptor dieser Genfamilie, HER2, aufweisen. Ein neu entwickelter Gentest sucht gezielt nach EGFR und HER2 und kann so jene PatientInnen herausfiltern, die von einer Gefitinib-Therapie profitieren würden. „Dies erleichtert die Patientenauswahl und erleichtert die Therapie“, erklärte Prof. Dr. F. Capuzzo vom University of Colorado Cancer Center in Denver, der den Gentest mit seinem Team entwickelt hat, bei der Präsentation seiner Studie.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 41/2004

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