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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Mehr Prävention bei Darmkrebs

Mit einer Inzidenz von 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das kolorektale Karzinom der häufigste Tumor in Österreich. Mit guter Prävention würden sich viele Krebsfälle verhindern lassen.

Ein Programm zur Entdeckung von Dickdarmkrebs-Vorstufen und von Karzinomen könnte in Österreich jährlich Tausenden Menschen Leid ersparen und 90 Prozent der Todesfälle durch die Krankheit verhindern. Das geht aus einem brandneuen Report hervor, den Forscher vom Institut für Technikfolgen-Abschätzung von der Akademie der Wissenschaften erstellt haben. Der Report soll in die nächsten Planungen für die neuen Gesundenuntersuchungen einfließen. Dr. Susanna Jonas, eine Autorin, berichtet von der Ausgangslage: „Mast- und Dickdarmkrebs zählen zu den häufigsten Krebserkrankungen weltweit. Im Jahr 1998 erkrankten in Österreich 2.499 Männer sowie 2.420 Frauen an kolorektalem Karzinom. Mit zirka 5.000 Neuerkrankungen pro Jahr ist es der häufigste Tumor in Österreich." Sechs Prozent aller Österreicher erkranken einmal im Leben an einem solchen Tumor. 1999 starben daran rund 2.700 Menschen. Patienten, die an einem Dickdarmkarzinom versterben, verlieren im Vergleich zur Lebenserwartung im Durchschnitt 13 Jahre ihrer Lebenszeit.

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Adenomentfernung einfach

Dabei könnte die Problematik durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen weitgehend entschärft werden. 90 bis 95 Prozent der Dickdarmkarzinome entstehen aus zunächst gutartigen Darmpolypen. Die Autoren: „Dickdarmkrebs kommt häufig vor und ist im Vorstadium eines Adenoms gut zu erkennen. Die Entwicklung vom Adenom zum kolorektalen Karzinom verläuft langsam, sie beträgt etwa zehn bis 15 Jahre. Die Entfernung von Adenomen und nicht invasiv wachsenden Frühkarzinomen ist während einer Darmspiegelung möglich, diese Therapiemöglichkeit wird auch oft ausgeführt. Effektive Therapieoptionen sind etabliert."
Somit stünden die Chancen gut, dass ab dem 40. Lebensjahr mit einem regelmäßig jährlich durchgeführten Hämocult-Test und ab dem 50. Lebensjahr einer Koloskopie, die alle fünf bis sieben Jahre durchgeführt werden sollte, fast alle beginnenden krankhaften Dickdarmveränderungen frühzeitig genug für eine erfolgreiche Behandlung erkannt werden könnten. Die Experten meinen dazu: „Mit der Darmspiegelung können etwa 95 von 100 kolorektalen Karzinomen erkannt werden." Geringer ist die Entdeckungsrate bei der Sigmoidoskopie, bei der nur der unterste Darmabschnitt überprüft wird. In Österreich ist die Koloskopie seit jeher üblich. Würde ein solches Programm in die kostenlose Gesundenuntersuchung samt entsprechender Qualitätskontrolle eingebaut und würden sich alle rund 100.000 Angehörige eines Jahrgangs im Alter von 50 Jahren beteiligen, wäre laut den Fachleuten pro Jahr Folgendes zu erwarten: „Das bedeutet, 340 bis 950 Karzinome sowie 10.000 bis 13.000 Risikoadenome würden bei einer 100-prozentigen Beteiligung entdeckt werden." Allerdings müssten bei 100.000 Untersuchungen auch 200 bis 500 Personen mit Komplikationen ins Spital.

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