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Innere Medizin 18. Oktober 2005

Verschreibung auch aus der No-Box (Teil 11)

Die No-Box im neuen Erstattungskodex scheint sich langsam in eine „Black Box“ zu verwandeln: Medikamente in dieser Box, wie etwa Komplementärtherapeutika, werden aus Unsicherheit von Ärzten immer seltener verschrieben.

„Dabei ist eine Verschreibung komplementärtherapeutischer Produkte durchaus möglich“, stellte Dr. Gerhard Hubmann, Allgemeinmediziner und Leiter des Arbeitskreises für Praxis und Forschung in der GAMED, im Gespräch mit der ÄRZTE WOCHE fest. „Wichtig ist dabei allerdings, dass auch weiterhin eine chefärztliche Bewilligung notwendig ist.“ Um diese zu erhalten, müsse der Patient mit Rezept und umfangreicher Befunddokumentation zu seiner jeweiligen Krankenkasse marschieren. „Eine im Vorjahr begonnene Therapie kann ebenfalls nach wie vor auf Kassenkosten weitergeführt werden“, ergänzte Hubmann, der auch als Berater für Komplementärmedizin bei der Wiener Gebietskrankenkasse tätig ist.

Keine Veränderung

„Im Prinzip hat sich im Falle der Komplementärtherapeutika auch mit der Einführung des Boxensystems nicht viel verändert – Homöopathika, bestimmte Phytotherapeutika, wie zum Beispiel Mistel- oder Johanniskrautpräparate, und Enzymtherapeutika unterlagen immer bestimmten Richtlinien und einer chefärztlichen Bewilligung“, stellte Hubmann weiter fest. „Die Informationen über das Boxensystem haben allerdings dazu geführt, dass manche Ärzte glauben, dass die in der No Box befindlichen Medikamente gar nicht mehr verschrieben werden dürfen. Und das stimmt einfach nicht“, zeigte sich Hubmann verärgert. „Gerade im Bereich der Krebstherapie, in der zur Milderung der Nebenwirkungen sehr erfolgreich komplementärmedizinische Maßnahmen eingesetzt werden, sollten diese Möglichkeiten den Patienten auch in Zukunft nicht vorenthalten werden.“ Dies helfe nicht zuletzt auch bei der Einsparung von Kosten. So kann etwa mit der Misteltherapie in vielen Fällen der Antiemetika- und Analgetikaverbrauch deutlich eingeschränkt werden.

Keine einheitlichen Richtlinien

Zu Verunsicherungen bezüglich der Verschreibung von komplementärmedizinischen Präparaten kommt es nicht zuletzt auch deshalb, weil bei den einzelnen Krankenversicherungen unterschiedliche Regelungen bezüglich der Bewilligungen gelten. „Im Allgemeinen entscheiden viele Krankenversicherungsträger aber nach wie vor nach der Prüfung des Einzelfalles“, so Hubmann. Manche Krankenkassen richten sich nach eigenen internen Regelungen, die genau festlegen, in welchem Fall welches komplementärmedizinische Therapeutikum bewilligt wird. Für Hubmann bedeuten derartige interne Regelungen einen ersten Schritt in Richtung Bewilligungsvereinheitlichung: „Es ist jedenfalls zu fordern, dass hier eine alle Krankenversicherungsträger umfassende einheitliche Regelung entsteht“, zeigte Hubmann auf. Deshalb fordert Hubmann auch die Hersteller von komplementärmedizinischen Arzneimitteln auf, verstärkt Studien und Wirkungsnachweise vorzulegen, um der Heilmittelevaluierungskommission, die über Wirksamkeit und darüber entscheidet, in welcher Box ein Medikament „landet“, die Möglichkeit zu geben, komplementärmedizinische Präparate langfristig auch einer anderen Box zuzuteilen und dadurch die Bewilligung solcher Präparate zu vereinfachen.

Mehr Aufwand, mehr Rennerei

PatientInnen, denen ein komplementärmedizinisches Medikament trotz ausführlicher Begründung vom Chefarzt nicht bewilligt wird, weist Hubmann auf die Richtlinien zur ökonomischen Verschreibweise hin, in deren Paragraph 6.2 es heißt: „In begründeten Einzelfällen ist eine Erstattungsfähigkeit auch dann gegeben, wenn die Arzneispezialität nicht im Erstattungskodex angeführt ist, aber die Behandlung aus zwingenden therapeutischen Gründen notwendig ist...“ Für den Patienten besteht die Möglichkeit, bei Ablehnung einen Bescheid anzufordern und Einspruch zu erheben.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 7/2005

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