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Innere Medizin 28. April 2014

Herkunft und Verbreitung eines Neobioten: Der Amerikanische Riesenleberegel Fascioloides magna in Österreich: Ein Überblick

Der Amerikanische Riesenleberegel Fascioloides magna, eine aus Nordamerika eingeschleppte Art, wurde in Österreich in freier Wildbahn erstmals im Jahr 2000 in den Donau-Auen östlich von Wien nachgewiesen. Seither wurden zahlreiche Daten über die Epidemiologie des Parasiten in den Schnecken-Zwischenwirten und in den Endwirten erhoben. Schnecken der Art Galba truncatula dienen als Zwischenwirte und Rothirsch, Reh und Damhirsch als Endwirte. G. truncatula ist im Gebiet häufig und vor allem an den schlammigen Ufern langsam fließender Gewässer zu finden. Prävalenzen im Rotwild (20–100 %) sind wesentlich höher als in den Zwischenwirten (0,03–0,2 %). Trotz medikamentöser Behandlung, eines Teils der betroffenen Wildpopulation hat sich der Parasit erfolgreich in den Auen beiderseits der Donau südöstlich von Wien etablieren können. Erste genetische Analysen weisen darauf hin, dass die Infektion der österreichischen Wildpopulationen ihren Ursprung in Tschechien oder in den östlich angrenzenden Populationen des Donau-Fluss-Systems hat. In den Leitha-Auen, die durch Wildbrücken mit den Karpaten und Donau-Auen verbunden werden, wurden die Parasiten bisher nicht festgestellt. Doch das Vorkommen geeigneter Zwischen- und Endwirte machen sie zu potentiellen Lebensräumen für die Riesenleberegel. Eingeschleppte/eingewanderte (Neobiota) Parasiten stellen nicht nur eine Bedrohung betroffener Wirtsindividuen und Populationen dar, sondern verändern auch bestehende Strukturen der Wirt-Parasiten-Gemeinschaft und deren Interaktionen. Das Wirtsspektrum von F. magna beinhaltet eine Reihe weiterer Arten, namentlich verschiedene Schlammschnecken als Zwischenwirte und diverse Huftiere einschließlich Rinder und Schafe als Endwirte. Weil die Medikation der Endwirte keine zufriedenstellenden Resultate erbrachte, und wegen des Risikos einer weiteren Ausbreitung des Parasiten, sollten wirksamen Strategien zur Kontrolle entwickelt werden. Wir empfehlen jedenfalls Untersuchungen zur Einschätzung der Mechanismen der Einschleppung und Ausbreitung, regelmäßiges Monitoring der Wirtsarten und des Vorkommens und der Prävalenz der Parasiten. Strategien und Maßnahmen sollten mit den benachbarten Ländern koordiniert werden. Diese Strategie könnte negative Auswirkungen der Parasiten auf die europäischen Populationen potentieller Wirtsorganismen reduzieren und wichtige Informationen über die Mechanismen der Einschleppung und Ausbreitung pathogener Neobiota vermitteln.

Dr. Helmut Sattmann, Mag. Christoph Hörweg, Larissa Gaub, Anna Sophia Feix, Mag. Michaela Haider, Univ. Doz. Dr. Julia Walochnik, Dr. Wolfgang Rabitsch, Univ. Prof. Dr. Heinrich Prosl, Wiener klinische Wochenschrift 7/8/2014

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