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Innere Medizin 30. Juni 2005

Forscher optimieren Impfstoff gegen Krebs

Endlich scheint die Optimierung einer Tumorimpfung gelungen zu sein. Die Vakzine besteht aus patienteneigenen, virusinfizierten Tumorzellen.

„Bösartige Tumoren haben viele Antigene und viele Escape-Mechanismen. Man muss ihnen deshalb mit einem sehr breiten Konzept zu Leibe rücken“, betont der Immunologe Prof. Dr. Volker Schirrmacher vom Heidelberger Krebsforschungszentrum, der auf 15 Jahre klinisch-anwendungsorientierter Forschungsarbeit zurückblickt.

Immunsystem erkennt Krebszellen als fremd

Eine Besonderheit dieses Ansatzes besteht darin, dass dem Immunsystem mit der Tumorvakzine sämtliche Patienten-eigenen tumorspezifischen Antigene präsentiert werden. Denn die Vakzine besteht aus patienteneigenen Tumorzellen, die mit einem Virus infiziert worden sind. Eine andere Besonderheit ist, dass durch die Virusinfektion die Krebszellen vom Immunsystem als fremd erkannt werden und dieses darauf entsprechend aktiv reagiert: „Unsere Idee ist es, die Gefahrensignale mit den für den individuellen Krebspatienten relevanten Tumor­antigenen in Verbindung zu bringen“, so der Forscher.

Gedächtniszellen aktiviert

Ausgehend von der Hypothese, dass das Immunsystem und das neuronale System vernetzt sind, könne man dem Immunsystem diese Assoziation zwischen Tumor­antigenen und Gefahrensignalen in einem Lernprogramm durch die Vakzinierung beibringen. Wie funktioniert dieser Ansatz? Aus dem frisch operierten Tumor werden die Krebszellen isoliert und in vitro vermehrt. Etwa zehn Millionen Tumorzellen werden als Grundlage für die Vakzine verwendet. Sie werden durch Bestrahlung inaktiviert und mit dem für Menschen ungefährlichen Vogelvirus Newcastle Disease Virus (NDV) infiziert. Die Vakzine wird nach der Operation in mehrwöchigen Abständen bis zu fünf Mal subkutan gespritzt. Die Heidelberger Forscher haben herausgefunden, dass das Immunsystem bei Krebspatienten Gedächtniszellen bilden kann, die die Tumorantigene des eigenen Tumors erkennen können. Es wird ein breites Repertoire tumorspezifischer T-Gedächtnis-Zellen im Knochenmark angereichert. Diese Zellen lassen sich in vitro gut reaktivieren und sollen durch die aktiv spezifische Immunisierung mit der Vakzine in den Patienten reaktiviert werden. „Nach mehrmaliger Immunisierung sollen die Tumor-spezifischen T-Gedächtnis-Zellen gelernt haben, immer dann sofort zu reagieren, wenn Tumorzellen im Körper entdeckt werden, weil damit Gefahrensignale assoziiert werden“, so Schirrmacher. Das Konzept scheint aufzugehen: Von 200 Krebskranken, etwa mit Kolon-, Nieren-, Brust- oder Hautkrebs hatten im Vergleich zu Patienten ohne eine Immuntherapie fast 29 Prozent der geimpften Patienten einen deutlichen Überlebensvorteil.

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