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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Alles tun für Krebskranke im Terminalstadium (Teil 9)

Adäquate Palliativmedizin ist mehr als nur Schmerztherapie. Die Wünsche eines terminal Krebskranken sollten bei der Betreuung im Vordergrund stehen.

Jeder vierte Österreicher stirbt an Krebs. Und zwischen 80 und 90 Prozent der PatientInnen leiden im terminalen Stadium an behandlungsbedürftigen Schmerzen, Schwäche, Inappetenz und Übelkeit. Eine ausreichende und regelmäßige Schmerztherapie, Fürsorge und die Berücksichtigung der Bedürfnisse der Betroffenen sollten im Mittelpunkt aller Bemühungen um terminal kranke KrebspatientInnen stehen.

Acht Zentren ausgezeichnet

Darüber herrschte auch unter den Experten, die dieses Thema im Rahmen des 29. ESMO-Kongresses Ende Oktober 2004 in Wien diskutierten, Einigkeit. „Patienten mit einer terminalen Tumorerkrankung können nur mit Hilfe einer engen Zusammenarbeit zwischen Onkologie und Palliativ-Behandlung eine optimale Pflege erhalten“, zeigte sich etwa der Vorsitzende der Arbeitsgruppe für Palliativmedizin der ESMO, Prof. Raphael Catane vom Sheba Medical Center Tel Hashomer in Israel, überzeugt. Im Rahmen des ESMO-Kongresses wurden deshalb acht europäische Zentren für integrierte Onkologie und Palliativmedizin in Italien, Deutschland, der Schweiz, Großbritannien und Belgien ausgezeichnet. In Österreich steht die Palliativmedizin und -pflege erst am Anfang. Zwar bestehen mittlerweile in allen österreichischen Bundesländern Hospizeinrichtungen (www.hospiz.at), trotzdem erhalten nur rund zwei bis fünf Prozent aller terminal kranken KrebspatientInnen eine adäquate palliativmedi-zinische Betreuung. Dies könnte nicht zuletzt daran liegen, dass Palliativmedizin in Österreich, ebenso wie in den meisten anderen europäischen Ländern, kein Prüfungsfach ist. Ausnahmen sind nur Großbritannien, Norwegen, Schweden, Dänemark und Irland.

Stärken des Pflegepersonals

Aber nicht nur die MedizinerInnen sind in der Palliativmedizin und -pflege gefragt, auch das Pflegepersonal, PsychologInnen und SeelsorgerInnen gehören zum Team. „Adäquate Palliativmedizin und –pflege geht nur gemeinsam“, erläuterte der Schweizer Psychiater Dr. Fritz Stiefel vom psychiatrischen Liaisondienst am Universitätsspital in Lausanne im Rahmen des ESMO-Kongresses. „Das Pflegepersonal sieht die Patienten oft viel häufiger und kann kompetent über Probleme und Wünsche des Betroffenen Auskunft geben.“ Diese Ressourcen sollten, so Stiefel weiter, unbedingt genutzt werden. Ein wichtiges Thema im Bereich der Palliativmedizin sei auch die nicht selten sorgsam verborgene Hilflosigkeit der Helfer, so der Psychiater Dr. Maex Edel vom AZ Middelheim in Antwerpen. Diese müsse eingestanden und bearbeitet werden: „Helfer hassen es, hilflos zu sein“, sagte Edel in seinem ESMO-Vortrag. „Hilfe bedeutet aber auch, sich gemeinsam mit dem Patienten mit dessen Sterben auseinanderzusetzen“, ergänzte Edel und riet seinen ZuhörerInnen abschließend: „Vergessen Sie nicht: Ärzte sind auch Menschen! Sie müssen, gerade im palliativen Setting, unbedingt auch auf sich selbst achten.“

Sabine Fisch, Ärzte Woche 5/2005

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