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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Wiederholtes „Predigen“ zahlt sich aus (Teil 8)

50 Prozent aller Krebsneuerkrankungen könnten bei entsprechender Lebensführung verhindert werden. Auch wenn die Risikofaktoren allgemein bekannt sind, sollten Hausärzte ihren Patienten die Gefahren und Alternativen immer wieder ins Bewusstsein rufen.

Natürlich wissen Ihre PatientInnen, dass der Griff zur Zigarette Lungenkrebs verursachen kann und dass eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung und die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung eine Krebserkrankung verhindern oder zumindest so früh erkennbar machen können, dass diese häufig noch geheilt werden kann. Dies bedeutet aber nicht, dass weniger geraucht wird, eine Welle der Sportbegeisterung ausbricht und das „Schnitzerl“ aufgegeben wird. Internationale ExpertInnen raten HausärztInnen dennoch, möglichst oft über Krebsvorsorge und –früherkennung zu sprechen und den PatientInnen Ausstiegshilfen, Alternativen zu einer ungesunden Ernährung und Möglichkeiten für ein moderates Bewegungsprogramm ans Herz zu legen.

Die Krankheit verhindern

Jede zweite Krebsneuerkrankung könnte bei entsprechender Lebensführung verhindert werden. „Genetische Faktoren spielen bei Krebserkrankungen dagegen nur eine geringe Rolle; etwa fünf Prozent der Erkrankungen beruhen darauf“, erläuterte Prof. Dr. Anthony Miller, Department of Public Health Sciences, Universität Toronto, am Kongress der Europäischen Gesellschaft für medizinische Onkologie (ESMO) Ende Oktober 2004 in Wien. Wichtig sei, so Miller weiter, dass die Prävention von Krebserkrankungen vor dem 40. Lebensjahr einsetzt. Er illustriert dies am Beispiel Tabakkonsum: „Wenn man die Leute dazu bringt, dass sie das Rauchen vor dem 40. Lebensjahr aufgeben, könnten fast 100 Prozent der Lungenkrebserkrankungen verhindert werden.“ Für Miller bedeutet Prävention nicht nur, Programme zur gesünderen Lebensführung ins Leben zu rufen. Vielmehr gehört dazu auch der Ausbau der Rad- und Fußwege in den Städten und Gemeinden, um der Bevölkerung eine attraktive Möglichkeit zu bieten, das Auto öfter stehen zu lassen. Um Kinder und Jugendliche früh für eine gesunde Lebensweise zu interessieren, fordert der kanadische Sozialmediziner mehr Sportmöglichkeiten in der Schule und die Erziehung zur gesunden Ernährung.

Zigaretten verteuern

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) setzt auf Krebs-prävention. In der Framework Convention on Tobacco Control hat sie sich zum Ziel gesetzt, den Raucheinstieg von Jugendlichen zu verhindern, Entwöhnungsprogramme zu unterstützen, Nichtraucher vor Tabakrauch zu schützen und Informationen über die schädliche Wirkung zu „promoten“. Als besonders effektiv hat sich laut WHO-Experte Dr. Andreas Ulrich dabei die Verteuerung von Zigaretten herausgestellt. „Jede zehnprozentige Preiserhöhung bei den Steuern auf Zigaretten führt zu einer Reduktion des Ta­bakkonsums um vier Prozent in den industrialisierten Ländern“, stellt Ulrich fest. Mit der Global Strategy on Diet, Physical Activity and Health, die im Frühling 2004 anlässlich der WHO-Jahrestagung in Genf verabschiedet wurde, fordert die WHO ihre Mitgliedsstaaten schließlich dazu auf, Maßnahmen für eine gesündere Ernährung und mehr sportliche Aktivitäten zu initiieren, um die Rate der Krebserkrankungen, die durch Übergewicht und ungesunde Ernährung verursacht werden, zu senken.

Sabine Fisch, Ärzte Woche 4/2005

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