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Innere Medizin 30. Juni 2005

Prostatakrebs weit gefährlicher als Autounfälle

Im Jahr 2002 starben in Österreich rund 700 Männer im Straßenverkehr und 1.100 an Prostatakarzinom – etwa 60 Prozent mehr. Bei 3.800 Männern wurde die Erkrankung neu diagnostiziert.

„Die Bedrohung durch Prostatakrebs findet vergleichsweise wenig Beachtung, während jede gefährliche Kreuzung mit enormem finanziellen Einsatz eilig ‚entschärft“ wird‘, kritisiert Prim. Doz. Dr. Michael Rauchenwald, Leiter der Abteilung für Urologie und Andrologie am Wiener Donauspital. Prostatakrebs ist das häufigste Karzinom beim Mann und liegt hinter dem Bronchuskarzinom auf Rang zwei der tödlichen Krebserkrankungen. 40 Prozent aller Männer entwickeln Prostatakrebszellen, zehn Prozent erkranken, ein Drittel stirbt daran. Trotzdem nimmt „Mann“ von der Gefahr kaum Notiz. Die Vorsorgeuntersuchung ist wenig populär, der Weg zum Urologen wird in Männerkreisen augenzwinkernd als Zeichen von Potenzproblemen interpretiert. Die Ausnahme sind gezielte Aktionen wie die jüngste Initiative der Österreichischen Gesellschaft für Urologie, bei der sich binnen zweier Tage 800 Wiener Blut für einen PSA-Test abnehmen ließen. Grundsätzlich gilt die Empfehlung, ab 45, spätestens jedoch ab dem 50. Lebensjahr jährlich zur urologischen Kontrolle zu gehen. Dabei wird routinemäßig PSA (Prostataspezifisches Antigen) gemessen.

Erhöhtes PSA, kranke Prostata

Dieser Marker ist spezifisch für das Organ, aber nicht krankheitsspezifisch. Das macht ihn aber keinesfalls wertlos, denn die grundsätzliche Tatsache eines erhöhten PSA signalisiert, dass die betroffene Prostata nicht gesund ist. Die weitere Abklärung gibt Aufschluss, um welche Erkrankung es sich im Detail handelt. Bei regelmäßiger Untersuchung gibt der Verlauf des PSA-Spiegels, also die Steilheit des Anstieges, Auskunft über die Aggressivität der Erkrankung. In diesem Zusammenhang wies Rauchenwald auf eine Veränderung der „Charakteristik“ von Prostatakrebs während der letzten 15 Jahre hin. Bei der Einführung des PSA-Tests wurde von einer Korrelation zwischen der Höhe des Wertes und der Karzinom-Aggressivität ausgegangen. Heute wird der Wert anders „gelesen“. So gilt die „Verdopplungszeit“ eines noch so gering erhöhten Wertes als Signal für ein aggressiv malignes Geschehen. Im Verdachtsfall ist der nächste Schritt die Biopsie (Gewebestanze). Hier bestimmen Technik und Routine des Untersuchers die Qualität des Ergebnisses. In Abhängigkeit vom Befund reichen die Therapieoptionen von „Watchful Waiting“ bis zum operativen Eingriff und Chemotherapie.

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