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Innere Medizin 20. Oktober 2005

Kolonkarzinom: Koloskopie in Anspruch nehmen (Teil 6)

Ab dem 50. Lebensjahr ist eine Koloskopie sinnvoll, um Darmkrebs vorzubeugen oder früh zu erkennen. Sie wurde daher im Leistungskatalog der Vorsorgeuntersuchung Neu aufgenommen.

Derzeit wird Darmkrebs häufig erst dann entdeckt, wenn er bereits ins Stadium II (Begrenzung auf den Dickdarm, kein Lymphknotenbefall) oder Stadium III (Begrenzung auf den Dickdarm, Lymphknotenbefall) eingetreten ist. Im Stadium I sind die Heilungschancen gut, nach der Tumor­entfernung gilt der überwiegende Teil der Patienten als geheilt. Bei Stadium-II-Patienten allerdings kommt es bei einem Fünftel der Fälle binnen fünf Jahren zu einem Lokalrediziv. Am ESMO-Kongress Ende Oktober 2004 in Wien befanden Experten nach heftigen kontroversiellen Diskussionen schließlich, dass es für eine generelle Empfehlung, alle Stadium-II-Patienten mit einer adjuvanten Chemotherapie zu behandeln, derzeit noch zu früh sei. Die vorliegenden Studienergebnisse, etwa aus der MOSAIC*-Studie, deuten allerdings darauf hin, dass eine solche Therapie auch für Stadium-II-Patienten sinnvoll sein kann. Trotzdem riet auch der Onkologe Prof. Dr. Alberto Sobrero vom Ospedale San Martino in Genua, „die Entscheidung bezüglich einer adjuvanten Chemotherapie bei Stadium-II-Patienten von Fall zu Fall zu treffen“.

Sanftere Therapien für Patienten im Stadium III

Die adjuvante Chemotherapie im Stadium III der Krebserkrankung ist bereits state of the art. Sie führt nicht mehr zu einer Heilung, trägt allerdings wesentlich zur Lebensverlängerung bei. Nicht selten führen aber die Nebenwirkungen einer intensiven Chemotherapie für die Patienten zu einer massiven Einschränkung der Lebensqualität. Die Daten der FOCUS-Studie** zeigten erstmals, dass auch ein stufenweiser Einsatz, der weniger Nebenwirkungen erzeugt, die gleiche lebensverlängernde Wirkung hat, wie eine intensivere, kombinierte Chemotherapie von Anfang an. Die FOCUS-Studie schloss 2.135 Patienten mit unbehandeltem, inoperablem Kolonkarzinom ein. Die erste Gruppe der Studienteilnehmer erhielt Fluorouracil allein, bis das Medikament seine Wirksamkeit verlor, und danach Irinotecan. Eine zweite Gruppe erhielt ebenfalls Fluorouracil allein und wurde nach Wirksamkeitsverlust auf Oxaliplatin oder Irinotecan umgestellt. Die dritte Gruppe startete mit Fluorouracil plus Irinotecan oder Oxaliplatin. Erstaunliches Endergebnis: „Die Daten in Gruppe zwei und drei waren bezüglich des Langzeitüberlebens gleich. Daraus lässt sich folgern, dass für viele Patienten ein weniger intensiver Ansatz das Endresultat nicht beeinträchtigt“, erklärte Studienleiter Prof. Matthew Seymour, Cancer Research Institute, Cookridge Hospital, Leeds/Großbritannien.

*de Gramont, A. et al.: Multicenter International Study of Oxaliplatin/5-FU-LV in the Adjuvant Treatment of Colon Cancer
**Seymour, M. et al.: Optimizing the use and sequencing of fluorouracile, irinotecan and oxaliplatina in advanced colorectal cancer (ACRC): The UK MRC FOCUS trial

Sabine Fisch, Ärzte Woche 1/2005

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