zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 30. Juni 2005

Ringelblumensalbe gut nach Brustkrebs

Die postoperative Radiotherapie induziert oft Dermatitiden. Nun wurde die Wirkung von Ringelblumensalbe in einer Phase-III-Studie nachgewiesen.

Um die oft stark beeinträchtigenden Hautreaktionen nach postoperativer Bestrahlung – von milden Erythemen bis zu schweren, sehr schmerzhaften Reaktionen – zu reduzieren, wird international vielfach ein feuchtigkeitsbindendes Trolamin (Triethanolamin)-haltiges Externum angewandt. Bisher gab es kaum kontrollierte Studien, in denen nicht-steroidale Agenzien in dieser Indikation untersucht wurden. Verschiedene topische Substanzen kommen bei strahlenassoziierten Beschwerden zum Einsatz, von Kortikosteroiden bis zu Aloe vera oder Hyaluronsäure. Eine Standardprophylaxe der strahleninduzierten Entzündungsreaktionen gibt es nicht.

Französische Phase-III-Studie

Extrakte der Ringelblume (Calendula officinalis) sind für ihre entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt und werden traditionell bei Irritationen und Läsionen der Haut sowie oberflächlichen Verbrennungen verwendet. Eine aktuelle französische Phase-III-Studie untersuchte, ob eine solche Creme zur Prävention akuter Hautveränderungen unter Bestrahlung taugt (Pommier O et al: Rphase III randomized trial of acute dermatitis during irradiation for breast cancer. J Clin Oncol 22 (2004: 1447-53)). Dazu randomisierten Radioonkologen am Centre Léon Bérard in Lyon Patientinnen, die nach einer Brustkrebsoperation eine Bestrahlung erhalten sollten, auf ein Dermatikum mit Trolamin (n=128) oder Calendula (n=126). Dieses sollte nach jeder Sitzung auf die bestrahlten Areale appliziert werden. Bestrahlungsart, Zielvolumina und Modalität der Bestrahlung waren in beiden Therapiearmen vergleichbar.

Hohe Patientenzufriedenheit

Eine akute Hauttoxizität zweiten Grades oder höher erlitten in der Calendula-Gruppe mit 41 Prozent signifikant weniger Frauen als unter Trolamin (63 Prozent). Neun Patientinnen, die das Phytopräparat anwandten (sieben Prozent), jedoch 20 (20 Prozent) aus der Kontrollgruppe entwickelten eine Reaktion Grad 3 (Grad 4 kam nicht vor). Die Radiatio musste im Calendula-Arm nur in einem Fall – aus Therapie-unabhängigen Gründen – unterbrochen werden. Dagegen waren in der Vergleichsgruppe 13 therapieassoziierte Abbrüche erforderlich, die meisten wegen Hauttoxizität. Das Phytotherapeutikum induzierte in dieser Serie keinerlei allergische Reaktionen. Die Patientinnen gaben an, dass es zwar schwieriger zu applizieren sei, ihre Zufriedenheit mit der Wirkung war aber höher als unter Trolamin. Das Risiko, eine Hauttoxizität zu entwickeln, erwies sich als unabhängig vom Hauttyp. Es war dagegen bei einem Body Mass Index von 25 und darüber sowie mit einer vorher absolvierten Chemotherapie im Anschluss an eine Lumpektomie assoziiert. Fazit: Der Schutzeffekt der Pflanzensalbe war klinisch relevant. Patientinnen, die eine adjuvante Brustbestrahlung erhalten, sollten künftig präventiv eine Calendula-Creme applizieren, empfehlen die Studienautoren.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben