zur Navigation zum Inhalt
 
Dermatologie 27. Oktober 2005

Proaktive Schubprophylaxe bremst Neurodermitis

Bei der Behandlung der therapeutisch schwierigen atopischen Dermatitis (AD) waren bisher Cortisonsalben der „Goldstandard“. Ein Gremium heimischer Dermatologen und Pädiater unter dem Vorsitz von Prof. Dr. Peter Fritsch, Univ.-Klinik für Dermatologie und Venerologie Innsbruck, hat ein Experten-Statement (Kasten) mit neuen Therapie-Empfehlungen für mittelschwere bis schwere AD herausgegeben.

Mit dem Calcineurininhibitor Tacrolimus (Protopic®) steht ein völlig neues Wirkprinzip gegen Neurodermitis zur Verfügung: Die Signalübertragung zur Aktivierung der T-Zellen in der Haut wird selektiv gehemmt, die nachfolgenden Immun- und Entzündungsreaktionen werden gebremst. Durch den Eingriff in die Frühphase der krankhaften Ereignisse kommt es zur raschen und nachhaltigen Besserung der Neurodermitis-Symptome (Juckreiz, Rötung, Schuppung etc.).

„Aggressiv“ statt „defensiv“

Bis zur Einführung der topischen Immunmodulatoren war nur ein „defensives“ Vorgehen mit Kortikoiden – das heißt Anwendung erst nach Schubbeginn – möglich, jetzt könne der AD „aggressiv“ begegnet werden, erklärt Prof. Dr. Sakari Reitamo, Hospital für Skin and Allergic Diseases, Helsinki University Central Hospital, Finnland. Das Fehlen steroidtypischer Nebenwirkungen erlaubt einen proaktiven Einsatz von Tacrolimus-Salbe bereits bei ersten Anzeichen eines Schubes. „Damit lässt sich die volle Ausprägung eines Flare-up abfangen und wahrscheinlich auch der Gesamtverlauf der Neurodermitis günstig beeinflussen“, so Fritsch. Fritsch: „Erstmals ermöglicht eine Lokaltherapie die Beherrschung der Neurodermitis, die über die Behandlung von Schüben weit hinausgeht. Cortisonsalben könnten initial und zur Milderung akuter ‚Spitzen’ der Neurodermitis eingesetzt werden, falls erforderlich. Der Tacrolimus-Salbe kommt jedoch die mögliche Funktion eines Basistherapeutikums zur Langzeitbehandlung zu.“

Umfangreiche Datenlage

Im Vergleich zur Standardtherapie der AD mit Kortikosteroiden der Wirkklasse I beziehungsweise II zeigte sich Tacrolimus-Salbe in mehreren Studien an Kindern signifikant überlegen. In einer aktuellen Vergleichsstudie an Kindern über drei Wochen war Tacrolimus 0,03 % einprozentigem Hydrocortisonacetat signifikant überlegen. Zudem wurde die ein- oder zweimal tägliche Anwendung verglichen. Reitamo: „Sowohl die einmal als auch die zweimal täglich angewendete Tacrolimus-Salbe 0,03 % ist der zweimal täglichen Anwendung von Hydrocortisonacetat signifikant überlegen. Die zweimal tägliche Applikation von Tacrolimus wiederum ist der einmal täglichen Anwendung überlegen.“ Tacrolimus erwies sich beim Großteil der Patienten in Studien als dauerhaft wirksam, so dass der Schweregrad der Erkrankung über die Zeit reduziert werden konnte. Nebenwirkungen, wie Brennen oder Juckreiz, treten nur initial in den ersten Tagen bis Wochen der Behandlung auf und reduzieren sich im Mittel auf unter fünf Prozent.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben