zur Navigation zum Inhalt
 
Innere Medizin 31. März 2006

Blutdruckzielwerte leicht gemacht

Die neuesten Empfehlungen der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie zur Behandlung einer arteriellen Hypertonie haben die Blutdruckzielwerte weiter nach unten korrigiert.

Diesen folgend werden Blutdruckwerte über 140 mm Hg systolisch und/oder 90 mmHg diastolisch als therapiebedürftig angesehen. Die Grenzwerte wurden in den Empfehlungen des JNC 7 Reports (Seventh Report of the Joint National Committee of Prevention Detection, Evaluation and Treatment of High Blood Pressure), der European Society of Hypertension wie auch der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie angegeben (Tab. 1). Langzeitbeobachtungen, die in großen Therapiestudien gemacht wurden, zeigen, dass eine Blutdrucksenkung unter diese Zielwerte vorteilhaft und sicher ist. Die Studien weisen darauf hin, dass die Empfehlungen prinzipiell für jede Altersklasse gültig sind. Bei Personen, die älter als 50 Jahre sind, ist die Bedeutung des systolischen Blutdrucks als kardiovaskulärer Risikofaktor höher als jene des diastolischen Blutdrucks. Patienten mit einer isolierten systolischen Hypertonie, der häufigsten Hochdruckform im Alter, profitieren von einer antihypertensiven Therapie entsprechend den Richtlinien genauso wie jüngere Hypertoniker. Auch bei Patienten über 80 Jahren kann eine Blutdrucksenkung die kardiovaskuläre Morbidität deutlich senken. Bei der Blutdruckeinstellung muss bei dieser Patientengruppe das Vorliegen einer orthostatischen Hypotonie im Besonderen beachtet werden.

Einfluss von Begleiterkrankungen

Einen geschlechtsspezifischen Unterschied in Hinblick auf die Blutdruckzielwerte sehen die publizierten Richtlinien nicht. Das Vorhandensein von Begleit-erkrankungen beziehungsweise von mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren sollte das Therapieziel allerdings verändern. Sind mehr als 3 Risikofaktoren nachweisbar oder bestehen Hinweise auf das Vorliegen von Endorganschäden, sollten auch Blutdruckwerte von größer 130/85 mmHg therapiert werden. Bei Patienten mit Diabetes mellitus liegt der Zielblutdruck unabhängig vom Alter unter 130/80 mmHg, bei Patienten mit diabetischer Nephropathie unter 125/75 mmHg. Auch bei Patienten mit einer eingeschränkten Nierenfunktion und/oder einer Proteinurie unter 1 g/Tag liegt der Zielbereich < 130/80 mmHg. Liegt eine Proteinurie von über 1 g/Tag vor, sollen Blutdruckwerte <125/75 mmHg erreicht werden.

Vorgehen in Akutsituationen

In der Akutsituation, zum Beispiel dem hypertensiven Notfall mit Organmanifestation, sollte eine Senkung des arteriellen Mitteldrucks um nicht mehr als 25 % des Ausgangswertes innerhalb von 30 - 60 Minuten angestrebt werden, für die folgenden sechs Stunden gilt ein Blutdruckzielwert von 160/100 mmHg. Eine stärkere Blutdrucksenkung in der Akutphase kann für den Patienten nachteilige Auswirkungen haben. Nach einem Insult oder einer transitorisch ischämischen Attacke (TIA) kann eine antihypertensive Therapie, die Blutdruckwerte unter 130/80 mmHg erreicht, die Rezidivrate deutlich senken. Liegen nicht korrigierbare Karotis- beziehungsweise Vertebralisverschlüsse vor, müssen zur Aufrechterhaltung eines ausreichenden Perfusionsdrucks allerdings oft erhöhte Blutdruckwerte in Kauf genommen werden. Der Nutzen einer optimalen Blutdrucksenkung ist für jedes Alter bewiesen. Das Erreichen der empfohlenen Zielwerte ist allerdings nur durch die erfolgreiche Motivation der Patienten und oft erst nach Einleitung einer antihypertensiven Kombinationstherapie möglich.

Prof. Dr. Bruno Watschinger, Ärzte Woche 15/2001

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben