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Innere Medizin 30. Juni 2005

Cave Nierenarterienstenose

Die ischämische Nephropathie (Synonyme: vaskuläre Nephropathie, renovaskuläre Erkrankung) scheint eine häufig übersehene Ursache für ein chronisches Nierenversagen zu sein.

Prof. Dr. Tomas Lenz vom KfH (Kuratorium für Heimdialyse und Nierentransplantation)-Zentrum in Ludwigshafen und seine Kollegen empfehlen vor allem bei Patienten mit folgenden Merkmalen den Ausschluss einer höhergradigen Nierenarterienstenose:

  • eine neue diagnostizierte Hypertonie nach dem 60. Lebensjahr,
  • Bluthochdruck bei unklarer Einschränkung der Nierenfunktion,
  • deutlicher Anstieg der Retentionswerte unter Therapie mit ACE-Hemmern oder AT1-Antagonisten,
  • Vorliegen bekannter Hochdruck-bedingter Endorganschäden wie Retinopathie, periphere Verschlusskrankheit, KHK oder zerebrovaskuläre Erkrankung,
  • rezidivierendes Lungenödem,
  • Proteinurie.

Ein Drittel der Patienten mit fortgeschrittener Atherosklerose weisen höhergradige Einengungen der Nierenarterien auf. Selbst ältere und scheinbar gesunde Menschen hätten laut Lenz zu knapp sieben Prozent Nierenarterien-Stenosen. Verdacht schöpfen sollte man auch bei Plasmakreatinin-Werten von mehr als 2 mg/dl oder bei langjährigem, schwer einstellbarem Hypertonus. Möglicherweise sind auch Nikotinabusus und Stoffwechselerkrankungen ursächlich beteiligt. Allerdings lägen dafür nicht ausreichend gesicherte Daten vor, so Lenz. Die beidseitige Nierenarterienstenose ist zwar nicht gleichzusetzen mit der Diagnose einer ischämischen Nephropathie. Denn nicht in jedem Fall ist auch die globale Nierenfunktion eingeschränkt. Andererseits können die Folgen drastisch sein: Es drohen chronische oder akute Niereninsuffizienz und auch die kardiale Dekompensation. Diagnostiziert wird eine Nierenarterienstenose derzeit am besten mit der selektiven Nierenarteriographie, meist in DSA-Technik (digitale Substraktionsangiographie). Jedoch ist diese invasive Methode mit Risiken und hohen Kosten verbunden. Eine nicht-invasive Alternative kann die Duplexsonographie sein, die auch für Verlaufskontrollen geeignet ist. Therapeutisch steht die perkutane Nierenangioplastie, meist mit Einsetzen eines Stents, im Vordergrund. Es können aber auch verschiedene gefäßchirurgische Verfahren angewendet werden. Zudem empfiehlt Lenz die Optimierung der Blutdruckeinstellung und die Senkung erhöhter Lipidspiegel.

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